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Glaube im Alltag

In der Wochenendausgabe des "Trierischen Volksfreundes" finden Sie die Rubrik "Glaube im Alltag". Dort werden die Beiträge von Autorinnen und Autoren aus dem Dekanat Wittlich oder der näheren Umgebung veröffentlicht. Auf unserer Homepage haben Sie die Möglichkeit, diese Beiträge nachzulesen.

Glaube im Alltag 2021

  • Glaube im Alltag 8. Mai 2021_Christiane Friedrich_Nie wieder Ausgrenzung

    Nie wieder Ausgrenzung

    Heute vor 76 Jahren wurde Deutschland vom Nationalsozialismus befreit. Am 8. Mai 1945 endeten die NS-Diktatur und der 2. Weltkrieg.

    Passend dazu ist in dieser Woche eine MEMO-Studie zur Erinnerungskultur in Deutschland erschienen. Sie wurde durchgeführt vom Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld (www.stiftung-evz.de).

    Tausend Menschen zwischen 16 bis 87 Jahre wurden u.a. zu ihrem Wissen über die Opfergruppen der NS-Diktatur befragt. Der größte Teil der Befragten nennt Jüdinnen und Juden, weniger als die Hälfte die Gruppe der Sinti und Roma, ein Viertel nennt die Gruppen der Homosexuellen, der politisch Verfolgten, der Kranken und Menschen mit Behinderungen, etwa jeder zehnte Befragte macht gar keine Angaben. Nur ein kleiner Teil der Befragten nennt andere konkrete Opfergruppen, etwa Angehörige von Widerstandsgruppen, religiösen Gruppen oder spezifischen Berufsständen.

    Die Studie zeigt: Es braucht Erinnerungskultur, um heute Ausgrenzung und Verachtung von Menschen mit all ihren grausamen und tödlichen Konsequenzen unmöglich zu machen.

    Morgen, am 9. Mai 2021, wäre Sophie Scholl 100 Jahre alt geworden. An sie erinnert das Projekt mit dem SWR „Ich bin Sophie Scholl“. Auf einem Instagram-Kanal erhalten die Nutzerinnen und Nutzer Einblicke in die letzten zehn Monate der Studentin und NS-Widerstandskämpferin. Von der Schauspielerin Luna Wedel verkörpert, wird in den kommenden zehn Monaten Sophie Scholls Leben an der Universität München und ihr Widerstand in der Weißen Rose thematisiert.

    Das Projekt „Ich bin Sophie Scholl“ versucht gerade auch jungen Menschen Geschichte nahezubringen, um die Gefahr von Ausgrenzung und Intoleranz unter die Haut gehen zu lassen.

    Der heutige Jahrestag mahnt uns Nachgeborene, verantwortet mit der Erinnerung an das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte und an die Opfer der NS-Diktatur umzugehen, damit es nie wieder zur Ausgrenzung von Menschen kommt. Nur so kann dieses Land als ein menschenwürdiger und lebenswerter Ort für alle gestaltet werden.

     

    Christiane Friedrich

    Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 1. Mai 2021_Uschi Fusenig_Du meine Seele singe

    „Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön“

    Der 4. Sonntag nach Ostern trägt in den evangelischen Kirchen die Bezeichnung Kantate, in Kürze könnte das heißen: “Singt“ dem Herrn ein neues Lied, denn Wunderbares hat er getan! Was wären unsere Gottesdienste ohne die Musik, als einem wichtigen Zugang zum Glauben. Es ist ein unverwechselbares Kennzeichen unserer Glaubenspraxis, dass wir in Gemeinschaft singen, uns an der Orgelmusik oder dem Chorgesang erfreuen oder beides selber mitgestalten. Musik kann unsere Herzen öffnen und uns berühren. Sie kann in uns etwas zum Klingen bringen und neue Wege zum Glauben eröffnen.

    Wir können Gott musikalisch loben und preisen, ihm danken für unser Leben und die Welt, die er uns gegeben hat. Wir können ihn um etwas bitten oder unsere Trauer und Freude, unsere Verzweiflung und Zuversicht heraussingen. Damit geben wir unserer Seele ein Ventil, eine Möglichkeit etwas loszulassen, wenn alles wieder einmal zu viel wird und uns der Alltag zu erdrücken scheint. Auch, wenn das eigene Mitsingen im Gottesdienst im Moment eingeschränkt ist und vielen von uns eher der Ton im Hals steckenbleibt, weil vieles in diesen schwierigen Zeiten ungesungen und ungesagt bleibt.

    Wir können trotzdem und bestimmt gerade deswegen dankbar darauf blicken, dass unser Gott bei uns ist.

    Wir können Gott bitten, dass er uns unsere eigene Lebensmelodie hören lässt, der wir dann nachspüren und sie in unseren Lebensrhythmus aufnehmen.

    Wir können gewisslich darauf vertrauen, dass Gott uns zu allen Zeiten unterstützt mit hoffnungsvollen Gedanken und mit Zuversicht, so dass wir als fröhliche Kinder Gottes seine glaubwürdigen Zeugen in dieser Welt sind und ihn immer wieder mit einem Lied preisen und loben.

     

    Uschi Fusenig (Prädikantin Evangelische Kirchengemeinde Bernkastel-Kues, Schulseelsorgerin und Ev. Religionslehrerin Freiherr-vom -Stein-Realschule plus)

  • Glaube im Alltag 24. April 2021_Konstanze Petry_Der gute Hirte

    Der gute Hirte

    Im Sonntagsevangelium ist die Rede vom guten Hirten. Das Bild des Hirten ist in unseren Breiten heute nicht mehr wirklich bekannt. Viehherden bzw. das Nomadentum waren früher die Lebensgrundlage für viele Menschen. Der Hirte schützt seine Tiere vor Räubern und Raubtieren. Er übernimmt Verantwortung und sucht sogar sein verloren gegangenes Schaf.

    Auch wir Menschen sind auf diesen Schutz und Zuwendung angewiesen. Und auch wir können uns auf einen Hirten verlassen, wenn Gefahr droht. Leiden, Angst und Tod beherrschen immer wieder die Welt. Aber genau dieser wurde besiegt durch den, der sich für uns hingegeben hat: Jesus. Jesus spielt eine besondere Rolle, er lebte uns das Motiv des guten Hirten vor, er nimmt sogar die Schuld auf sich. Er war ein guter Hirte. Er tröstete Menschen zu aller Zeit. Sein Tod hat etwas bewirkt, das Auswirkungen auf uns alle hat. Er gibt die Richtung vor in unserem Leben und ist da, wenn wir ihn brauchen.

    Auch wenn wir uns von Gott leiten lassen, erfahren wir dennoch Leid und durchwandern dunkle Täler. Erspart bleibt uns dies nicht. Aber wir können uns sicher sein, dass wir die Zeit nicht allein überstehen müssen. Gott ist an unserer Seite als treuer Begleiter, der uns nicht im Stich lässt. Wir können so eigentlich nur auf dem richtigen Weg sein, wenn wir uns von ihm leiten lassen.

    Auch in Zeiten wie diesen, die doch so oft ausweglos erscheinen, sind wir auf Schutz und Zuwendung angewiesen. Und wir können uns darauf verlassen, dass wir nicht alleine sind und dass wir diesen nötigen Schutz erhalten.

    Wir persönlich können aber nicht nur Schafe sein, sondern auch Hirten, indem wir einander nicht allein lassen und uns um Hilfsbedürftige kümmern, indem wir tun, was notwendig ist. Denn jeder Mensch ist wichtig! Jeder einzelne! Wenn wir dann auf die Stimme des guten Hirten hören und als Herde zusammenarbeiten und gemeinsam in eine Richtung gehen, mit dem gleichen Ziel, zum Wohle aller, dann ist das Reich Gottes verdammt nah!

     

    Konstanze Petry

    - Oberstudienrätin an der IGS Salmtal -

  • Glaube im Alltag 17. April 2021_Monika Bauer-Stutz_Erziehung zur Weite

    Erziehung zur Weite

    In einem Gebet von Martin Gutl heißt es: „Du erziehst mich zur Weite, indem Du mich aus dem Paradies vertreibst.“

    In den vergangenen Monaten hat uns die Pandemie eindrücklich aus unserem Paradies vertrieben.

    Aus heutiger Sicht war das Vor-Corona-Leben für viele eine Zeit paradiesischer Zustände: Unbeschwerte Begegnungen, sicheres Einkommen, problemloses Reisen. Die Vertreibung aus diesem Paradies belastet und führt in die Enge: die Enge von Angst, Existenznot, Einsamkeit.

    Gutls Text ist lange vor heutigen Krisen entstanden. In dem erzwungenen Verlust des Paradieses erkennt Gutl als Sinn eine Weitung, ein inneres persönliches Wachstum. Die Rolle des Erziehenden weist er dabei Gott zu.

    In der hebräischen Bibel wird Gott als einer vorgestellt, der erzieht, lehrt, ausbildet oder zurechtweist. Gottes Erziehung gilt als Privileg, als Zeichen besonderer Erwählung. Sie will dem Menschen ein Leben in seiner Nähe, ein Leben im Paradies ermöglichen.

    Ich denke nicht, dass Gott uns Menschen durch Krankheiten, Kriege, Naturkatastrophen o. ä. erziehen will. Das wäre zynisch! Ich glaube vielmehr an einen lebensbejahenden und menschenfreundlichen Gott, der mit uns und seiner gesamten Schöpfung leidet.

    Wenn wir von einer Pädagogik Gottes sprechen wollen, dann in dem Sinne, dass leidvolle Ereignisse unseren Blick und unsere Gedanken dahingehend weiten können, Realitäten anzuerkennen. Es ist Realität, dass alle mit allen verbunden sind und alles mit allem zusammenhängt: Im persönlichen Leben, in der Weltgemeinschaft, in der Kirche.

    Krisen erweisen sich dann als „Erziehungszeiten“, wenn wir gewohnte Verhaltensweisen, Haltungen oder Einstellungen überdenken und verändern. Krisen können bewirken, dass wir unsere Intelligenz, unser Knowhow, unser Mitgefühl und unsere Solidarität zum Wohle aller nutzen. „Paradies“ heißt dann ein Leben in Gerechtigkeit, Frieden und intakter Schöpfung für alle.

     

    Monika Bauer-Stutz

    Pfarreiengemeinschaft Bernkastel-Kues

  • Glaube im Alltag 10. April 2021_Armin Surkus-Anzenhofer_Österliches Krisen-Management

    Österliches Krisen-Management

    „Ich krieg die Krise!“, sagen wir schon mal daher. Manchmal meinen wir es auch ernst: Wie können wir dann mit Krisen umgehen, sie überwinden und weiter leben?

    Die Jüngerinnen und Jünger sind in einer solchen Krise nach Jesu Tod. So viele Pläne, jetzt sind alle durchkreuzt. Ihr Einsatz, ihr Lebenswerk, ihre Hoffnungen, alles liegt wie ein Scherbenhaufen vor ihnen.

    Die Oster-Erzählungen sind für mich so etwas wie österliches Krisenmanagement. Da tun sich etwa zwei Jünger in ihrer Krise zusammen und reißen aus nach Emmaus. Unterwegs aber denken sie nach, reden und versuchen zu verstehen. Für mich ein wichtiger Hinweis: Wenn ich in der Krise bin, wie kann ich Abstand gewinnen, mit wem kann ich mich aussprechen, weinen, klagen und doch auch Perspektiven entwickeln?

    Manchmal darf ich in diesen Gesprächen spüren, dass ein Mensch und noch ein Mensch mehr sind als nur zwei Menschen. In allem Traurigen, in allem Unverständnis, vielleicht sogar in Enttäuschung und Wut entwickelt sich doch etwas Neues: ein tieferes Einander-Verstehen; eine Denkrichtung, auf die ich alleine nicht gekommen wäre. Aufeinander eingehen, einander ernst nehmen, miteinander Wege gehen, und es entsteht eine Gesinnung, ein Geist, der trägt und hilft und über uns Menschen hinaus weist. Österliches Krisenmanagement, am eigenen Leib erfahren, das uns zusagt: Wir gehen nicht allein, erst recht nicht in der Krise!

    Doch der Paukenschlag kommt erst noch: Eine Frau, Maria von Magdala, sagt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen!“ Neue, rettende Perspektive kommt hier wie so oft in unserem Leben aus Richtungen, die überraschen. Was galt damals das Wort einer Frau? Stellen wir also als einzelne, als Verantwortliche in Kirche und Politik, unsere Ohren auf in unseren Krisen: Wer spricht das Wort, das weiter hilft und aus der Krise führt? Wem müssten wir Gehör schenken?

    Mit solchen Krisenstrategien können wir vielleicht, wenn es drauf ankommt, sagen: „Ich krieg die Krise – gemeistert!“

     

    Pastoralreferent Armin Surkus-Anzenhofer, Bausendorf,

    Dekanat Wittlich und FachstellePlus+ für Kinder- und Jugendpastoral Marienburg & Wittlich

  • Glaube im Alltag 3. April 2021_Wolfram Viertelhaus_Karsamstag - Ein Tag mit vielen Facetten

    Karsamstag - Ein Tag mit vielen Facetten

    Unser Leben wird im Jahreskreis durch Feste und Gedenktage strukturiert. Neben den meist kirchlichen Festtagen sind es unsere persönlichen Gedenktage, die den Takt des Jahres angeben. In den letzten Jahren schwollen die Gelegenheiten sich auf Festen zu amüsieren immer mehr an. Feste verloren den Charakter des Besonderen, auf das man sich lange vorbereitet, freut, hinlebt. Plötzlich hat Corona gerade diese Möglichkeiten voll ausgebremst. Vielleicht liegt darin auch die Chance, den eigenetlichen Sinn von Festen wieder genauer in den Blick zu nehmen. „Ein Fest feiern heißt, die immer schon und alle Tage vollzogene Gutheißung der Welt aus besonderem Anlass auf unalltägliche Weise begehen“, so der Philosoph Josef Pieper. Das Fest der Feste ist für Christen Ostern. Ein erneuter Verzicht auf Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen trifft Gläubige ins Mark. Der letzte Tag der Vorbereitung auf Ostern ist der Karsamstag. Dieser Tag liegt auf der Schnittstelle zwischen Tod und Leben, zwischen Passion und Osterjubel. Für Christen ist mit Jesus von Nazareth die Gegenwart Gottes schon angebrochen, aber noch nicht vollendet. Im Karsamstag wird dieses „Schon und Noch-Nicht“ manifest. Wie nach dem langen Winter der Frühling durchbricht, bricht sich mit Ostern die Hoffnung auf ein Leben über den Tod hinaus mit Christus Bahn.

    In meinem Leben verdichtet sich in diesem besonderen Tag Vieles, er ist mit denkwürdigen Erinnerungen verbunden. So durften wir als Kinder um 12 Uhr zum Ende der Fastenzeit das Marmeladenglas hervorholen, in dem wir die Bonbons gesammelt hatten. Als Jugendlicher bin ich an diesem Tag häufig mit dem Rad in die Heimatstadt  meiner Eltern geradelt, um das Grab der Großeltern zu besuchen und Verwandten Osterkuchen zu bringen. Und im vergangenen Jahr durfte ich an Karsamstag die Reha verlassen. In diesem Jahr bekommt die Charakterisierung dieses Tages als Grabesruhe eine ganz neue Bedeutung. Lassen wir aus der Osterbotschaft die Hoffnung und Geduld erwachsen, die augenblicklich schweren Zeiten zu bestehen. Gesegnete Ostern!

     

    Wolfram Viertelhaus, Wittlich

  • Glaube im Alltag 27. März 2021_Hermann Barth_Palmsonntag

    Palmsonntag

    Die Karwoche beginnt am 28. März mit dem Palmsonntag. Die Liturgie dieses Tages ist geprägt von der Palmprozession: Die Gläubigen bringen dann Palmzweige mit. Der Priester segnet sodann die Palmzweige. In der Antike waren sie ein Sinnbild für Sieg, Freude und Frieden. Heute sind die Palmzweige für uns Zeichen des Lebens und des Sieges, den Jesus Christus in seinem Tod und seiner Auferstehung über alle destruktiven Mächte dieser Welt errungen hat.

    In der Palmprozession leuchtet schon etwas von der großen Osterfreude auf. Dieser Jesus, der in dieser Woche viel Leid erfahren wird, geht als der Friedenskönig durch das Leid hindurch. Frieden und Leid, das sind zwei Pole, die offensichtlich zusammengehören.

    Wir erleben es heute ähnlich: Wer sich für den Frieden einsetzt, der erfährt Leid – er wird als „Gutmensch“ abgestempelt, er wird von den Menschen, die voller Hass sind, angefeindet. Die Palmprozession ist mehr als eine historische Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Sie ist vielmehr eine Einübung in das Vertrauen, dass am Ende unseres eigenen Passionsweges der Sieg und der Friede stehen werden. Angesichts des bevorstehenden Leidensweges singen wir dem Friedenskönig freudige Lieder. Wir begleiten ihn auf seinem Weg. Und weil von diesem Jesus Frieden ausgeht, dürfen wir darauf vertrauen, dass auch wir unseren Weg durch manches Leid, das von außen widerfährt, hindurchgehen können – genauso aufrecht wie Jesus der Friedenskönig. Ganz gleich, was uns in Zukunft an Leid erwartet, am Ende unseres Weges steht auch für uns die Auferstehung.

     

    Hermann Barth, Altrich

    Diplom Pädagoge und ehemaliger Geschäftsführer des Caritasverbandes

  • Glaube im Alltag 20. März 2021_Monika Hartmann_Dank und Abschied

    Dank und Abschied

    Liebe Leser und Leserinnen!

    Es ist jetzt an der Zeit, Danke zu sagen und mich von Ihnen zu verabschieden. Eine neue Lebensphase, meine Rentenzeit beginnt. Danken möchte ich Ihnen, den treuen Lesern und Leserinnen meiner Beiträge über viele Jahre hinweg. Ich durfte Wegbegleiterin und –gefährtin für Sie sein. Es war ein Geben und Nehmen, aber auch ein Teilen von Lebens- und Glaubenserfahrungen, die mich privat, persönlich und beruflich sehr bereichert haben. Ihre Rückmeldungen habe ich geschätzt.

    Doch nun heißt es: Loslassen, mich zu verabschieden von liebgewonnen Traditionen und Gewohnheiten, von Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind, mich zu trennen von Beziehungen, um Platz zu schaffen für das Neue in meinem Leben.

    In der Vorbereitung auf meine Rente ist mir ein Bibelvers aus dem Buch des Predigers Kohelet immer wichtiger geworden: „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit“.

    Zwischen Himmel und Erde geschehen viele Dinge. Dinge zwischen Gott und dem Menschen, also auch zwischen mir und Gott. Viel ist in meinem privaten und beruflichen Leben passiert. Es gab Stunden der Freude und der Trauer, des sich Verabschiedens und Loslassens und des immer wieder Neuanfangs. In dieser Zeit habe ich meistens das Vertrauen gehabt, dass da noch einer ist, der mich durch mein Leben hindurch trägt und begleitet. Für mich ist es der liebende aber auch der herausfordernde Gott. Dafür bin ich ihm sehr dankbar und vertraue weiter auf seine Hilfe und Unterstützung, auch für die noch vor mir liegende Lebenszeit, in der ich nicht weiß, was noch kommen wird. Doch eins ist gewiss: Gott wird mich stets begleiten und an meiner Seite sein. Auf ihn vertraue ich. Das lehrt mich meine Erfahrung und mein Glaube.

    In diesem Vertrauen sage ich nun Aufwiedersehen und freue mich auf das Neue in meinem Leben.

    Passen Sie gut auf sich auf und bleiben Sie gesund, besonders jetzt in der Pandemie!

     

    Monika Hartmann, Pastoralreferentin und Krankenhausseelsorgerin

  • Glaube im Alltag 13. März 2021_Paul Plehacz_Rama dama

    Rama dama

    Es geht nicht um den islamischen Fastenmonat, sondern um einen urbayerischen Appell, der zum Aufräumen oder Ausmisten auffordert. Lasst uns ausräumen! Viele haben in der zurückliegenden Lockdown-Zeit Speicher oder Keller ausgemistet, vielleicht wäre in der Fastenhalbzeitpause auch ein inneres Aufräumen angesagt. Dabei ginge es nicht um den üblichen Verzicht auf Süßigkeiten, Alkohol oder Auto, sondern um eine Gewissenserforschung und Neubesinnung, um eine Art Generalinventur, um die Sinne zu schärfen. In doppelter Hinsicht, einmal um zu merken, wie viel Reichtum und Fülle trotz Coronaalltag meist vorhanden ist, dann aber auch darum, das Warten und Entbehren neu zu schätzen. Denn wo alles möglich ist, ist nichts von Bedeutung. Wenn ich immer und zu jeder Zeit alles haben kann, verliere ich das Gefühl des Beschenktwerdens. So kann ich ein kühles Bier, eine Torte oder Süßigkeiten neu entdecken. Kindern, denen alles ohne Gegenleistung zur prompten Verfügung gestellt wird, wird diese Erfahrung vorenthalten. Eine praktische Anleitung für die Neuausrichtung des österlichen Menschenbildes habe ich in folgendem Rezept gefunden: Wir brauchen ein sauberes mit dem klaren Wasser des Verstandes gereinigtes Gefäß, reiben es mit dem scharfen Sand der Vergebung aus, sodass aller Geiz, alle Kleinlichkeit, Verbitterung und Angst ausgetilgt werden. So präpariert gebe man als Grundsubstanz so viel Hoffnung und Optimismus wie möglich, anschließend zu gleichen Teilen Zufriedenheit, Gelassenheit und Geduld. Wir würzen kräftig mit je einer Prise Rücksicht, Demut und Respekt. Zum Schluss füge man, sofern noch vorhanden, einen Schuss Humor dazu. Das rühre man geduldig um und gebe immer wieder vom Öl des Gottvertrauens dazu. Das Gefäß stelle man auf das Feuer der Liebe und lasse es vor sich hin köcheln. Täglich genossen und mit einem Gebet garniert, verhindert dieses Gericht den Schimmel der Verzagtheit, nicht nur in Coronazeiten. Rama dama!

    Paul Plehacz, Lehrer i.R.

  • Glaube im Alltag 06. März 2021_Uschi Fusenig_Worauf bauen wir?

    Worauf bauen wir?

    Unter diesem Leitwort haben uns christliche Frauen aus Vanuatu am 5.März zum Weltgebetstag 2021 eingeladen. Weltweit treffen sich jedes Jahr Frauen aller Konfessionen am ersten Freitag im März und feiern einen Gottesdienst, der sie über alle Grenzen, Länder und Kontinente miteinander verbindet.

    Der diesjährige Titel des Gottesdienstes könnte dabei nicht aktueller sein. In diesen schwierigen Zeiten hinterfragen viele Menschen, was eigentlich in ihrem Leben zählt, was ihnen wichtig ist und was sie zum Überleben brauchen. Unser Alltag hat sich sehr verändert und von allen wird ein Höchstmaß an Geduld, Ausdauer und Flexibilität gefordert.

    Aber woran können wir uns in diesen stürmischen Zeiten orientieren, finden unseren Halt und werden in hoffnungsvollen Gedanken bestärkt?

    Der kleine Inselstaat Vanuatu im Pazifischen Ozean hat in seiner Flagge folgendes stehen: “In god we stand“, das heißt „Mit Gott bestehen wir“.

    Und die Frauen aus Vanuatu leben dieses Bekenntnis. Sie sprechen in den Texten des Gottesdienstes offen über ihren Glauben und was er ihnen bedeutet. Sie erzählen von Gottes Wirken in ihrem Leben und den vielen Spuren, die Gottes Handeln hinterlassen hat. Gerade in Krisenzeiten machen so ihre Worte den Zuhörerinnen Mut, und sie geben ihnen Kraft für die alltäglichen Anforderungen.

    Die Frauen aus Vanuatu sprechen aber auch davon, dass wir in Gottes Worten eine Orientierung haben und ein festes Fundament für unser Leben finden können. Denn, wo wir Gottes Wort hören und danach handeln, wird das Reich Gottes Wirklichkeit! Dabei kann uns die sogenannte „Goldene Regel“ aus der Bergpredigt Jesu eine Orientierung geben: “Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun, tut es ihnen ebenso.“

    „Stehen wir also auf und gründen wir unser Zuhause, unsere Nationen und die Welt auf diese Worte Jesu; das ist unser Fundament und sicherer Grund.“ (Textquelle: WGT -Gottesdienst 2021)

    Prädikantin Uschi Fusenig (Evangelische Kirchengemeinde Bernkastel-Kues), Schulseelsorgerin und evangelische Religionslehrerin (Freiherr-vom-Stein-Realschule plus)

  • Glaube im Alltag 27. Februar 2021_Br. Stephan Reimund Senge_Routenänderung

    ROUTENÄNDERUNG

    Nun; eine Fasten- oder Bußzeit, was das wohl bedeuten mag? Wenn wir morgens spät dran sind, etwa auf dem Weg zur Arbeit, mit den Gedanken schon bei einem Termin oder mit einem besonderen  Problem beschäftigt, fahren wir vielleicht bei einer Kreuzung geradeaus, anstatt rechts abzubiegen. Entweder zurückfahren oder eine andere Route nehmen? , die Frage.

    Diese Wochen vielleicht eine Zeit der Routenänderung. Nun, wir Menschen kennen recht unterschiedliche Routen. „Wir wissen ja nicht, was gilt“, sagt der Dichter Paul Celan. Friedrich Nietzsche meint: “Der alte Gott ist tot. Endlich können unsere Schiffe auslaufen. Niemals zuvor gab es ein so offenes Meer.“

    Jesus führt seine Freunde Petrus, Jakobus und Johannes eine andere Route und zwar auf einen Berg. Vor dem Aufstieg blieb ihr Blick am Allernächsten hängen, beschäftigt mit ihren kleinen Problemen und Sichten und Beurteilungen und Diskussionen. Jesus nimmt sie mit. „Kommt!“, sagt er ihnen und uns. Und je höher sie kommen und je gezielter sie mit ihm gehen, umso mehr wächst ihre Perspektive: Täler, Flüsse, Wälder und Ortschaften zu ihren Füßen, und ihnen gehen die Augen auf im Blick auf Jesus. „Verklärt ist er“, sagt die Schrift. Vieles an ihm wird klarer und einleuchtender und staunenswerter.

    Vor-vor-vorösterlicher Aufbruch  auf veränderter Lebensroute. Ach, wir dürfen mitkraxeln mit Jesus und seinen Freunden. Das nennen wir Kirche und Gemeinde, auch in Coronazeiten, und lernen wir doch, Überflüssiges zurückzulassen, am besten ist Entsorgen. Und während wir aufsteigen, lächelt sogar Ostersonne am Horizont.

    Br. Stephan Reimund Senge, Himmerod

  • Glaube im Alltag 20. Februar 2021_Christiane Friedrich_Umkehren zum Leben

    Umkehren zum Leben

    Am Sonntag beginnt in den christlichen Kirchen die Fastenzeit. Eigentlich haben wir schon genug gefastet. Die notwendenden Einschränkungen im öffentlichen und privaten Zusammenleben lassen die Sehnsucht nach Normalität wachsen.

    Aber was ist normal?

    Anfang dieser Woche ist das Buch „Why we matter“ erschienen. Emilia Roig erforscht soziale Hierarchien und stellt fest: Weiße werden höher bewertet als Schwarze, Männer höher als Frauen; Gruppen, die nicht der Norm entsprechen, stehen weit unten in der sozialen Hierarchie. Unterdrückung ist ein gesellschaftliches, politisches und kulturelles System.

    Das ist doch nicht normal!

    Warum wir unterdrücken, erklärt Roig mit der „Empathielücke“. Diese Empathielücke zu schließen, sich also in die Lage des, der anderen hineinzuversetzen, ist eine gemeinsame Aufgabe. Denn alle menschlichen Leben sollten gleich sein.

    Normal wäre, dass alle Menschen gleich sind; es ist die Grundlage unseres Grundgesetzes und der Menschenrechte weltweit.

    Die Fastenzeit der christlichen Kirchen ist die Vorbereitungszeit auf das Fest des Lebens, Ostern. Maßstab ist der Gott des Lebens, der alle Menschen mit gleicher Würde ausstattet und liebt. Die biblische Aufforderung am Sonntag heißt: Kehrt um zum Leben.

    Was dient dem Leben? Und was verhindert Leben? Begegne ich meinem Gegenüber mit einer Empathielücke? Was müsste normal werden, damit Zusammenleben gelingt und Leben gefördert wird?

    Eine Online-Ausstellung kann zu neuen Sichtweisen verhelfen: Prophetisch.com legt den Finger in die Wunden des Lebens: Was ist Unrecht? Was tun wir einander an? Und ermutigt zum Handeln: Wie Frieden schaffen? Wie gemeinsam Zukunft gestalten?

    Sich zu informieren, zuzuhören und weiterzuerzählen hilft, die Empathielücke zu schließen. Einander kennenzulernen ermöglicht, Vorurteile abzubauen, ein zuweilen anstrengender, aber bereichernder Weg.

    Meine Sehnsucht in dieser Fastenzeit lautet: Umkehren zum Leben, zu einer menschenwürdigen Normalität.

    Christiane Friedrich, Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 13. Februar 2021_Thomas Pesch_Was kann das denn?

    Was kann das denn?

    Ein neues Smartphone kommt auf den Markt, ein neuer kabelloser Staubsauger wird beworben, ein Bluetooth-Lautsprecher ist im Angebot und alle fragen sich: Was kann das denn? Ich glaube, das Ding kann nix! Überhaupt nix! Wenn jemand was kann, dann die Menschen, die das Gerät geplant und entwickelt, gebaut, verpackt und verkauft haben. Die können was! Und dann kommt der Mensch ins Spiel, der das Gerät gekauft hat, der es bedient, der Apps auf sein Smartphone lädt und sie benutzt, der den Staubsauger durch die Wohnung fährt und den Bluetooth-Lautsprecher mit dem Smartphone verbindet. Auch die können was! Das Ding selber kann nichts. Das Smartphone würde alleine in der Ecke liegen, der Staubsauger in der Ladestation hängen und der Lautsprecher bliebe stumm. Wären da nicht die Menschen, die dafür sorgen, dass die Dinge benutzt werden, dass die Geräte einen Nutzen haben. Für mich ist das mit Gott so ähnlich und doch ganz anders. Auch er braucht die Menschen, aber er wirkt durch die Menschen! Menschen, die sich von seiner Stimme leiten lassen, die sich Jesus zum Vorbild nehmen, die angetrieben von ihrem Glauben Gutes tun. Menschen, die sich engagieren, die sich um Andere kümmern. Menschen, die über ihr eigenes Leben und ihre eigenen Bedürfnisse hinausschauen. Menschen, die Fremde in ihrer Mitte willkommen heißen, Kranke pflegen und Hungernde speisen. Die Frierende wärmen und Trauernde trösten. Es muss nicht immer die große aufsehenerregende Tat sein. Jede kleine gute Tat hilft. Und wenn viele Menschen kleine gute Taten vollbringen, dann wird die Welt zu einem besseren Ort. Für jeden Einzelnen von uns, für uns alle. Robert Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinderbewegung hat uns aufgefordert: „Verlasst die Welt ein bisschen besser, als ihr sie vorgefunden habt!“. Das passt. Geräte alleine können nichts, Menschen zusammen können alles bewirken. Fangen wir heute damit an. Und bitten wir Gott, uns dabei zu helfen.

    Thomas Pesch, stellv Pflegedirektor im Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich
    u Ehrenamtlicher in der Jugendarbeit

  • Glaube im Alltag 6. Februar 2021_Katy Schug_Eine starke Botschaft

    Eine starke Botschaft

    Vorbei ist vorbei. Oder etwa doch nicht? Knapp 6 Wochen nach Weihnachten, am 02. Februar, feierten wir Christen noch einmal ein besonderes Fest: Erscheinung des Herrn oder nach altem Sprachgebrauch, Maria Lichtmess. Erinnern wir uns an ein festliches Konzert. Oft endet es mit einem herausragenden Höhepunkt. Die Eltern bringen Jesus in den Tempel. Dort werden sie von den beiden alten Menschen Simeon und Hannah erwartet und empfangen. Sie erkennen in diesem Kind den, von dem sie sich alles erhofft haben. Ihr Warten und ihre Sehnsucht haben sich gelohnt. Sie haben nie die Hoffnung aufgegeben, dass sie irgendwann den sehen werden, von dem die alten Schriften berichten, dass er der Messias, der Retter, ist. Sie waren auch im Alter getragen von dem Gedanken, da muss doch noch was kommen. Und als Simeon dann Maria und Josef mit ihrem Kind sah, dass doch zuvor in der Armseligkeit in einem Stall zur Welt kam, da wusste er, dass sich seine Sehnsucht und sein Warten erfüllt hatten.

    Also, die Geschichte Gottes mit uns Menschen ist doch nicht vorbei. Sie geht weiter, weit über Weihnachten hinaus. Weil es vor uns Menschen gab, die hoffnungsvoll diesem Gott Vertrauen schenken, sind auch wir aufgerufen, diesem Gott zu vertrauen, wenngleich es in der einen oder anderen Situation schwer ist. Aber es lohnt sich. Es macht Mut, dass die Kirche in ihrem Nachtgebet immer wieder an diese beiden Menschen erinnert und den Lobgesang des Simeon betet „Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil geschaut, das du vor allen Völkern bereitet hast…“ Ein Gebet, dass mehr als 2000 Jahre alt ist und doch nie an Aktualität verloren hat. Vielleicht gelingt es uns, unser Leben und das unserer Mitmenschen diesem guten Gott anzuvertrauen, so wie Hannah und Simeon es uns vorgelebt haben. Simeon spricht von Frieden und Heil, Werte, die unserer verwundeten Welt auch heute mehr denn je guttun. Eine starke Botschaft.

    Katy Schug

    Ehemalige Caritasdirektorin Mosel-Eifel-Hunsrück e. V.

  • Glaube im Alltag 30. Januar 2021_Bruno Comes_Fest der Begegnung

    Fest der Begegnung

    Ein junges Paar mit ihrem Kind auf dem Arm besucht das Gotteshaus. Die Eltern namens Maria und Josef erhoffen sich Segen, Zuspruch und Schutz für ihr Kind.

    (Direkt denke ich an junge Eltern unserer Tage, die ihr Kind zur Taufe in eine Kirche bringen…)

    Ein paar Menschen sind dort, unter ihnen auch zwei ältere Personen. Diese beiden gläubigen Menschen ahnen, dass an diesem Tag etwas Besonderes geschehen wird. Simeon und Hannah heißen sie und treten hinzu. Er lässt sich das Kind auf den Arm geben, so dass einem das Herz aufgeht. Ich stelle mir vor, dass Simeons Augen strahlen, als er beginnt von seiner Sehnsucht nach Gott zu erzählen, die ihn ein Leben lang begleitet hat, von seiner jahrzehntelangen Geduld, die er aufbringen musste, um diesen Augenblick zu erleben, von der göttlichen Zuwendung, die er in diesem Kind erfüllt sieht. Er preist bei dieser Begegnung das Kind prophetisch als Licht und Heil für alle Welt! Und Hannah unterstreicht begeistert die Worte des Simeon und lobt Gott in den höchsten Tönen. Die Kirche nennt dieses Ereignis im Tempel „Darstellung des Herrn“, „Mariä Lichtmess“ oder in der Ostkirche auch „Fest der Begegnung“. Ich finde, dass es eine besonders ansprechende spätweihnachtliche Geschichte der Bibel ist, nachzulesen im zweiten Kapitel bei Lukas, ab Vers 22.

    Welche Botschaft entnehme ich diesem Evangelium am Beginn des Jahres 2021?

    Ich nehme einen großen Respekt älteren, erfahrenen Menschen gegenüber wahr.

    Ich nehme wahr, die Begegnung mit Groß und Klein bewusst wertzuschätzen.

    Ich nehme wahr, dass im Leben bisweilen große Geduld gefragt ist.

    Ich nehme wahr, dass es gilt, eine große Sehnsucht über lange Zeit wachzuhalten und darauf zu vertrauen, dass sie irgendwann erfüllt wird.

    Ich nehme wahr, dass hier etliche Menschen in der Lage sind, die Einzigartigkeit und Besonderheit eines Moments zu erspüren.

    Ich wünsche uns die Sehnsucht, die Geduld, die Weisheit, die Glaubensfreude von Simeon und Hannah!

     

    Bruno Comes, Kooperator-Pfarrer

  • Glaube im Alltag 23. Januar 2021_Elfriede Klar_Nicht nur Schäfchen zählen

    Nicht nur Schäfchen zählen

    Ein selten gewordenes Bild bot sich mir kürzlich. Ich musste anhalten, weil eine Schafherde die Straße überquerte. Schafe zählen als Einschlafhilfe kam mir in den Sinn, hatte ich das doch auch schon probiert, ohne Erfolg; ich war immer noch am Zählen, wenn sich das Bild der Schafe schon längst davon gelöst hatte. Auch der Versuch, die Schafe beim Zählen mehr im Blick zu halten, scheiterte, da sie vor meinem inneren Auge immer durcheinander liefen, was mich dann nervte. Aber da gab es ja noch den Hirten, und ich erinnerte mich an Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser… Gehe ich auch im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil, denn du bist bei mir.“ Durch Jahrtausende bis heute haben Menschen diese Worte verinnerlicht und darin Zuversicht und Trost erfahren. Jesus bezeichnet sich selbst als den „guten Hirten“, der seine Schafe kennt. Sie folgen ihm im Vertrauen, dass es ihnen gut geht bei ihm, weil er das Beste für sie will. Warum also Schafe zählen? Wenden wir uns doch gleich an den Hirten! Gerade auch dann, wenn sich der Schlaf nicht einstellen will. Vor dem guten Hirten können wir den Tag wieder ablaufen lassen - mit all den guten und weniger guten Momenten, mit Freuden und Enttäuschungen, mit flüchtigen Treffen und Begegnungen, die uns berührten. Da ist jemand, dem wir alles anvertrauen können. Was wir nicht zu Ende bringen und nicht lösen konnten, dürfen wir abgeben und auf einen neuen Tag hoffen mit einem neuen Anfang. Schafe zählen verhilft kaum zu einem schnellen Einschlafen, und das Sich-dem-Hirten-zuwenden ist sicherlich auch nicht das ersehnte Schlafmittel. Aber es könnte helfen loszulassen, was uns bedrängt und einengt, frei zu werden für einen neuen Tag mit einer neuen Sicht auf die Dinge und zu mehr Ruhe und Gelassenheit im Alltag zu finden - im Vertrauen darauf, dass da jemand ist, der mitgeht und alles mitträgt.

    Elfriede Klar, Lehrerin im Ruhestand, 54518 Esch

  • Glaube im Alltag 16. Januar 2021_Monika Klas_Sind sie schon mal einem Engel begegnet?

    Sind Sie schon einmal einem Engel begegnet? Davon bin ich überzeugt.

    In der noch immer andauernden Weihnachtszeit begegnen wir diesen himmlischen Wesen in Adventsfenstern, in der Straßenbeleuchtung, in Plätzchenform, auf Tischdecken und Servietten oder in kleinen und großen dekorativen Figuren und nicht zuletzt in den vielen Krippen auf Schritt und Tritt. Warum machen Menschen Engel auf diese Weise sichtbar? Möglicherweise hilft uns da die Bedeutung des Wortes. Übersetzt aus dem Lateinischen „angelus“ ist ein Engel ein Bote, genauer gesagt ein Bote, der uns Menschen den Willen Gottes verkündet. Da tut sich die Frage auf, was der Wille Gottes ist und warum Gott will, dass wir seinen Willen kennen. Nun ja, wir sind ein Teil von Gottes Schöpfung und somit von Gott gewollt. Gott hat für uns Menschen eine besondere Stellung innerhalb seiner Schöpfung vorgesehen und hat sie uns zum Geschenk gemacht. Doch damit nicht genug, er hat uns auch seinen Sohn geschenkt, der uns in einer ganz klaren Botschaft den Willen Gottes mitgeteilt hat: Liebt einander! Oder anders ausgedrückt: Nächstenliebe! Und jedes Mal, wenn wir einem anderen begegnen oder mit ihm Kontakt aufnehmen, haben wir die Möglichkeit, selbst ein Engel zu sein. Wir verkünden alleine dadurch den Willen Gottes, dass wir da sind und mit anderen wertschätzend und würdevoll umgehen. Und wenn wir jemandem begegnen, der mit uns so umgeht, dann sind wir ganz eindeutig einem Engel begegnet. Solche Engel können uns ihre Botschaft auch in Plätzchen-, Tischdecken- und Serviettenform zukommen lassen oder immer dann, wenn wir einfach nur eine Engelfigur betrachten, die jemand anderes aufgestellt hat.

    So wünsche ich Ihnen in Anlehnung an meinen Adventskalender aus dem Verlag „Andere Zeiten“ in diesem Jahr Menschen, die zum Engel werden, die Sie begleiten durch frohe und schwere Zeiten. Denn jede Begegnung mit einem Engel ist ein Zeichen dafür, dass wir Gott im Rücken haben.

    Monika Klas

  • Glaube im Alltag 09. Januar 2021_Jörg Henrich_Wünsche

    WÜNSCHE

    "man darf nie aufhören, sich die Welt vorzustellen, wie sie am vernünftigsten wäre." Ist das nicht eine sehr gute und gleichzeitig auch sehr schöne Perspektive für das neue Jahr?!

    Es ist der schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt, der uns diesen Gedanken schenkt. In dieser Woche wäre er 100 Jahre alt geworden.

    Wie wäre die Welt in dieser Zeit am vernünftigsten? Vielleicht so, dass ganz dicht neben unsere Vernunft unser Herz rückt. Vielleicht so, dass wir endlich verstehen lernen, wir werden nur eine gemeinsame Zukunft haben – oder keine. Vielleicht so, dass wir begreifen, niemand wird verlorengehen, wenn die Sorge füreinander und umeinander an erster Stelle steht. "Ich muss sehen, wo ich bleibe", das ist nicht nur unvernünftig, es ist vom Leben und der Welt 2020 überholt worden, außer Kraft gesetzt. Vielleicht so wie die Worte dieser alten Frau im Rollstuhl. Sie gehört zu den ersten, die die Impfung erhalten haben. In den Nachrichten war sie zu sehen und zu hören. In ihrer Dankbarkeit über die Impfung war sie ganz bei den anderen, bei den jungen Menschen: "Wie viel hat dieses Jahr den Jungen genommen, wie viele Möglichkeiten, wie viel Ausgelassenheit, wie viel Unbeschwertheit. Das tut mir so leid! Ich habe nur einen Wunsch, noch so lange zu leben, bis alles wieder in Ordnung ist auf dieser Welt. Bis Ihr Jüngeren euch keine Sorgen mehr machen müsst. Solange, bis ich weiß, ich lasse euch auf einer guten, wieder guten Welt zurück. Dann kann ich gehen."

    Eine Welt, die zuerst für die Schwächsten sorgt und die Schwachen, die sich mehr um die Starken sorgen als um sich selbst, um eine solche Welt müssen wir uns keine Sorgen machen, denn immer wird ein Mensch da sein, der für uns sorgt. Das neue Jahr steckt voller wunderbarer Möglichkeiten, das Gute in der Welt zu stärken.

    J.-W. Henrich, ev. Pfarrer, Traben-Trarbach

  • Glaube im Alltag 02. Januar 2021_Johannes Jaax_Sternsinger

    Sternsinger

    „Alle Jahre wieder“ kann man in den ersten Januartagen erleben, dass Kinder sich als Könige verkleiden und mit einem Stern in der Hand von Tür zu Tür ziehen, Lieder singen und Gaben sammeln für notleidende Kinder in der Welt. Dabei lassen sie an den Türen ein Zeichen zurück: C+M+B mit der entsprechenden Jahreszahl. Die Sternsinger Aktion, die ihre Wurzeln hat in jener biblischen Erzählung, wo drei Weisen (Könige) von einem Stern geleitet, zur Krippe eilen um dem neugeborenen Kind mit ihren Gaben Gold Weihrauch und Myrrhe zu huldigen. Der Volksmund deutet das C+M+B als Anfangsbuchstaben ihrer Namen: Casper, Melchior und Balthasar. Eigentlich aber ist es das Kürzel eines Segenswunsches: „Christus mansionem benedicat.“ Christus möge dieses Haus segnen. Ein wunderschöner Brauch, für mich von Kindern praktizierter Glaube im Alltag. Fasziniert von jener alten Geschichte wird sie nachgespielt, wird so zum Segen für die, die sich da spielend für andere einsetzen, für jene, denen die Gaben zugutekommen sollen und für die, die eine Gaben spenden. Nun, in diesem Jahr dürfen die Sternsinger wegen Corona nicht gehen. Aber der Segen soll sich trotzdem entfalten. Darum werden sie vielleicht einen Aufkleber mit dem Segenswunsch 20+C+M+B+21, zusammen mit einem Spendentütchen, in diesen Tagen in ihrem Briefkasten finden. Kleben sie doch einfach diesen Aufkleber an die Türen ihrer Häuser und Wohnungen. Es könnte zum besonderen Zeichen für Gauben im Alltag werden. Ein Blick genügt, wenn sie durch die Tür gehen: Mein Haus soll gesegnet sein. Der Bereich meines Lebens, der mir besonders wichtig ist, der besonders geschützt sein soll, möge unter dem Segen Gottes stehen. Und weil mein Leben gesegnet ist, werde ich dafür sorgen, dass auch andere gesegnet werden. Dazu dient das Spendentütchen, oder die angegebene Kontonummer. Dadurch können sie helfen, die Not in der Welt ein wenig zu lindern. Machen sie mit bei dieser wunderschönen Möglichkeit, den Glauben im Alltag zu leben. Danke

    Pfarrer Johannes Jaax, Dechant im Dekanat Wittlich

Glaube im Alltag 2020

  • Glaube im Alltag 24. Dezember 2020_Rainer Martini_„Ich bin in Gedanken bei Dir – Du bist nicht allein!“

    „Ich bin in Gedanken bei Dir – Du bist nicht allein!“

    Nun ist Heiliger Abend. Denken wir ein Jahr zurück, erinnern wir uns an ein Weihnachten, wie wir es gewohnt waren. Gegenseitige Besuche bei der Familie, Freunden und Bekannten, junge Menschen trafen sich unbeschwert zum etwas anderen Feiern.

    Weihnachten 2020 zeigt uns nun, wie rasch sich das Leben  einschneidend verändern kann, wie fragil es doch ist und wie wir dazu neigen, uns in trügerische Sicherheit zu wiegen.

    Ja – individuelle Einschnitte in das Leben gab es, so lange es Menschen gibt. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Trennung und unerwartete Schicksalsschläge oder der Verlust eines geliebten Menschen können jede und jeden von uns auf ganz individuelle Weise treffen. Corona hat jedoch zu einer Situation geführt, die unsere bisherige Vorstellungskraft bei weitem übersteigt. Alles, was eine Gesellschaft, was Kirche und Gemeinden zusammenhält – die Begegnung der Menschen miteinander, das Sich- Nahe-Sein, das helfende und vertraute Miteinander, die gemeinsamen Aktivitäten und das Gemeinsame Beten – alles das durfte nicht mehr oder nur noch in kleinstem Rahmen stattfinden und erfuhr erst nach und nach erste Lockerungen, die zaghafte Hoffnungen auf bessere Zeiten weckten, nun aber wieder durch die Entwicklung der Corona-Fallzahlen zurückgenommen werden mussten. Auch das ehrenamtliche Engagement in den vielfältigen sozial-caritativen Gruppen und Diensten zum Wohl der Menschen in besonderen Lebenslagen und Notsituationen litt und leidet unter den Einschränkungen. Immer wieder hören wir, dass viele ältere Menschen die zur schönen Tradition gewordenen und beliebten Begegnungsmöglichkeiten wie Seniorennachmittage oder Spielenachmittage in ihrer Gemeinde schmerzlich vermissen. Den kranken, älteren und einsamen Menschen zu Hause, in den Altenheimen und Krankenhäusern fehlten und fehlen nun wieder die Besuche der Ehrenamtlichen aus den Besuchsdiensten. Hier stehen alle diese freiwilligen Helferinnen und Helfer, die  in der bis dahin risikofreien Zeit diese Aufgaben gerne und mit viel Freude übernommen haben, in dem Dilemma, zu wissen, wie sehr sich die Besuchten nach dieser Begegnung und Zuwendung sehnen, andererseits sind Ihnen - zu Recht - nicht nur die Verantwortung und das Risiko zu groß, die Angebote wieder aufzunehmen - auch bestehende Kontaktbeschränkungen lassen dies oft nicht zu.

    Corona zwingt uns gegenwärtig, mit einer neuen, bedrückenden Realität zu leben.

    Aber Corona kann in uns auch neue kreative Ideen wachsen lassen, wie wir unseren Mitmenschen, für die wir uns besonders engagierten und engagieren, weiterhin zeigen können: „Ich bin in Gedanken bei Dir, Du bist nicht allein!“ Ich möchte Sie ermutigen, sich nicht von Ihrem ehrenamtlichen und segensreichen Tun „entwöhnen“ zu lassen, sondern sich im Rahmen risikofreier Möglichkeiten mit Einfallsreichtum weiter für Ihre Mitmenschen in besonderen Lebenssituationen einzusetzen. Ein Anruf, ein handgeschriebener Brief, ein kleine an der Tür überreichte Aufmerksamkeit oder vielleicht etwas ganz Anderes – auch hierdurch wird unser Glaube konkret erfahrbar und sichtbar, leben wir den Gedanken „Caritas“ als Dienst am Nächsten in unserem Alltag. Und so erfüllen wir gleichzeitig auch den Auftrag von ihm, der heute für uns in diese Welt geboren wurde und der uns allen die Zusage gab „Ich bin bei Euch alle Tage bis ans Ende der Welt“.

    Ich wünsche Ihnen gute Gedanken und ein gesegnetes und gesundes Weihnachtsfest  sowie  Hoffnung und Zuversicht für das kommende neue Jahr!

    Rainer Martini

    Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück e.V.          

  • Glaube im Alltag 19./20. Dezember 2020_Rainer Marmann_"Fürchtet euch nicht, denn ich bin bei euch!"

    „Fürchtet euch nicht, denn ich bin bei euch!“

    Es ist bald soweit, einige Tage noch, und es ist Weihnachten! Nur…die Zeit ist ver-rückt, im Sinne des Wortes.

    Auch vor rund 2000 Jahren wurden die Menschen durch eine staatliche Order aus ihrer Routine gebracht. Es handelte sich nicht um eine Pandemie, sondern um eine Volkszählung. Viele waren unterwegs, um dieser Anordnung nachzukommen. Bestimmt waren nicht alle damit einverstanden.

    In dieser Zeit wurde ein Kind geboren, das als Erwachsener die Welt verändern sollte. Einfache Hirten, die Unbedeutendsten dieser Zeit, haben damals die Botschaft der Geburt verkündet. Es ist klar, dass die Zuhörer staunten, dass es ausgerechnet solche Menschen waren, die darüber berichteten.

    Welch eine Zumutung muss es gewesen sein, in einem Stall zu entbinden, auch wenn Lukas die Geschichte wie im strahlenden Kerzenschein schildert. Die Zeit danach wurde nicht besser. Die Familie musste fliehen, um den Mordplänen des Herrschers zu entkommen. Ob bei ihnen auch der Satz „Fürchtet euch nicht“ nachhallte? Lukas berichtet es nicht.

    Jetzt im Jahr 2020 sind wir in der Adventszeit in einer ungewohnten, auch seltsamen Zeit angekommen. Kein Einkaufstrubel, keine Weihnachtsmärkte, keine Dauerberieselung mit Weihnachtsmusik. Irgendwie stiller! Ist das eine Zumutung? Oder etwas anderes? Vielleicht die Stille hin zum Ziel, zum Gedächtnis einer erst einmal unspektakulären Geburt.

    Diese Botschaft über die Jahrhunderte hinweg „Fürchtet euch nicht!“ geht mir nicht aus dem Sinn. In unserem Leben sind  wir auch irgendwie unterwegs, mal freiwillig, mal beordert, aber immer mit dem Wunsch ein Ziel zu erreichen.

    In diesem Unterwegssein wünsche ich Ihnen, dass Sie die Botschaft der Hoffnung und des Trostes, „Fürchtet euch nicht, denn ich bin bei euch!“ erfahren dürfen.

    Rainer Marmann

    evangelischer Christ                     

  • Glaube im Alltag 12./13. Dezember 2020_Uschi Fusenig_Glücksmomente in schwierigen Zeiten

    Glücksmomente in schwierigen Zeiten

    entdecken und daraus Kraft und Zuversicht entnehmen, das fällt vielen Menschen im Moment eher schwer.

    Zu Recht werden die einen denken, denn das Negative überwiegt in meinem Leben. Ich kann mich nicht frei bewegen und mein bisheriger Lebensrhythmus ist durcheinander, Treffen mit Freunden und Verwandten sind eingeschränkt, mein Arbeitsplatz ist nicht sicher, und ich sehe für die nähere Zukunft kein Ende für die Rückkehr zu meinem gewohnten Leben. Darüber bin ich mehr als verzweifelt und es macht mich unglücklich.

    Zu Recht werden auch die anderen denken, denn sie befinden sich in einer ähnlichen Situation. Aber es gibt einen wesentlichen Unterschied in der persönlichen Einstellung und zum Umgang mit den derzeitigen Veränderungen im Leben. Ich kann in meinem Unglücklichsein verharren, aber ich kann auch versuchen es umzuwandeln.

    Jeden Morgen lege ich in meine rechte Hosen- oder Jackentasche, zuhause vielleicht in eine kleine Schale, eine Vielzahl von zählbaren kleinen Gegenständen; es können Perlen sein, kleine Steine, Münzen, was so vorhanden ist. Und im Laufe des Tages wechselt bei jedem glücklichen Moment, den ich erlebe, ein Gegenstand von der rechten in die linke Hosen- oder Jackentasche, vom gefüllten Schälchen in das danebenstehende ungefüllte. Am Ende des Tages schaue ich mir dann noch einmal meine glücklichen Momente an: den farbigen Sonnenaufgang, die tanzenden Schneeflocken, das freundliche Lächeln der Nachbarin, den Anruf der Tochter, das mich im Herzen berührende Lied im Radio. Und ich stelle fest, wieviel Schönes ich doch habe erleben dürfen. Momentaufnahmen, die oft nur Sekunden andauerten, aber in mir ein Gefühl der Geborgenheit und Zufriedenheit auslösten. Dafür bin ich dankbar und freue mich auf jeden kommenden Tag mit seinen überraschenden Glücksmomenten. Sie tragen mich durch diese besonderen Zeiten. So auch das 3. Licht, das wir am Sonntag entzünden und das unseren adventlichen Weg hin zum Fest der Menschwerdung Gottes wieder etwas heller erleuchtet und uns Trost und Hoffnung spenden möchte.

    Uschi Fusenig (Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde in Bernkastel-Kues, Schulseelsorgerin an der Freiherr-vom-Stein-Realschule plus)

  • Glaube im Alltag 05./06. Dezember 2020_Monika Hartmann_Einfach Gutes tun

    Einfach Gutes tun

    An diesem Wochenende feiern die Familien mit ihren Kindern den Nikolaustag, jedoch anders als in den Jahren zuvor. In Corona-Zeiten heißt es, kreativ sein und neue Ideen entwickeln, damit der Nikolaustag ein Erlebnis für die Kinder wird. 

    Ich erinnere mich gerne an unseren Nikolausabend in der Kindheit zurück. Es roch nach den ersten frisch gebackenen Plätzchen, die leeren Teller wurden am Abend  vor die Haustür gestellt, in der Hoffnung, dass der Hl. Nikolaus vorbei kam und sie mit Süßigkeiten, Äpfel und Nüsse füllte. Wir saßen mit unseren Eltern am Küchentisch rund um den Adventskranz, sangen Nikolauslieder und hörten Geschichten über ihn. Voller Spannung gingen wir zu Bett und konnten kaum einschlafen. Am nächsten Tag schauten wir draußen vor der Tür nach. Wie glänzten unsere Augen, als wir die vollen Teller entdeckten. Der Hl. Nikolaus hatte uns nicht vergessen. Er war in der Nacht vorbei gekommen, weil er es am Tag nicht schaffte, alle Kinder zu besuchen. 

    Ich habe nie einen Nikolaus gesehen, aber mein Kinderglaube an ihn bewahrte ich mir, bis auf den heutigen Tag. 

    Was für ein schöner Adventsbrauch, der bis heute in mir lebendig ist. 

    Nikolaus sein, Gutes tun, den Kindern und auch den älteren Menschen eine Freude bereiten, gerade jetzt, wo die Corona-Regeln, wie Hygiene,  Abstand halten, Maske tragen und private Kontakte meiden,  ganz groß  geschrieben werden. 

    Es ist möglich und in jedem und jeder von uns steckt ein kleiner Nikolaus - wie damals in unseren Eltern-, der geheime Wünsche erfüllt, um damit das Herz des Anderen zu berühren und zu erwärmen. 

    Ich wünsche uns allen ein schönes und besinnliches Nikolauswochenende mit vielen Überraschungen für kleine und große Menschen.

     

    Monika Hartmann, Pastoralreferentin und Seelsorgerin im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich

  • Glaube im Alltag 28./29. November 2020_Manfred Walter_Licht-Blicke

    Licht - Blicke

    Bei uns zu Hause steht immer eine Kerze auf dem Tisch. Wir zünden sie zu den Mahlzeiten und besonderen Anlässen an. Dieses Zeichen hat für uns eine tiefere Bedeutung. Das gilt auch für die vier Kerzen am Adventskranz in der am Sonntag beginnenden Adventszeit. Diese Zeit der Vorbereitung auf Weihnachten war für viele geprägt von Vorfreude, aber auch von Stress beim Geschenke kaufen, Fahrten zum Weihnachtsmarkt, Konzerte, Weihnachtsfeiern. Dieses Jahr sieht das unter den Corona-Einschränkungen ganz anders aus. Der Wunsch nach mehr Ruhe und Zeit zur Besinnung scheint erfüllbarer. Vielleicht bekommen wir wieder mehr den Blick für das Wesentliche. Wir brauchen Licht-Blicke in den Dunkelheiten unseres Lebens, in Ängsten und Sorgen. Das könnte ein unerwarteter Anruf von einem Menschen sein, der einem zuhört und sich Zeit nimmt. Oder jemand bekommt einen Brief, der ihm Mut macht und die Verbundenheit mit dem anderen zeigt. Mit einem Geschenk, das ich vorbei bringe, kann ich anderen eine Freude bereiten. Wenn wir ein bestelltes Essen im Restaurant abholen, unterstützen wir von Corona betroffene Gastronomen. All diese Licht-Blicke sind Zeichen der Hoffnung. Das kann auch eine Kerze sein, die ich für jemanden anzünde, der krank oder in Not ist. Die vier Kerzen am Adventskranz sind ein Hinweis auf das Licht, das Gott in Jesus Christus in unsere Welt gebracht hat. Dieses Licht kann uns in den Dunkelheiten unserer Sorgen, bei Einsamkeit und Ängsten zeigen, dass Gott bei uns ist. Er will uns Wärme und Hoffnung schenken, wo wir an unsere Grenzen stoßen. Das gilt besonders in dieser Corona–Adventszeit. Wenn wir uns für Gott und die Mitmenschen öffnen, dann kann auch dieses Jahr Weihnachten werden. Jeder kann Licht-Blicke geschenkt bekommen und anderen schenken.

    In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine besinnliche Adventszeit.

    Manfred  Walter,

    Pastoralreferent in Altersteilzeit, Wittlich

  • Glaube im Alltag 21./22. November 2020_Bruno Comes_Der bettelnde König

    Der bettelnde König

    Von einem Bettler wird erzählt, er ging in einem Dorf sammelnd von einer Tür zur anderen, als auf einmal etwas Besonderes geschah: Die goldene Kutsche des Königssohnes fuhr vor. Die Gelegenheit seines Lebens, dachte der Bettler und eilte zur Kutsche, um etwas Wertvolles zu erhalten. Erstaunlicherweise verließ der Königssohn die Kutsche und wendete sich dem Bettler zu. Wie erstaunt war der Bettler, als der Königssohn ihn fragte: „Was hat Du MIR zu geben?“ Welche Überraschung diese Worte zu hören und die königliche Hand ausgestreckt zu sehen! Verwirrt nahm der Bettler aus seinem Sack ein kleines Körnchen Reis und gab es dem Königssohn. Wie traurig war er dann am Abend, als er in seinem Sack herumstöberte und ein kleines Körnchen Gold fand, welches exakt der Größe seines geschenkten Reiskörnchen entsprach.

    Er weinte bitterlich darüber, dass er nicht den Mut gehabt hatte, ihm alles zu geben. Der Bettler dachte: „Möge es uns nicht am Abend unseres Lebens so ergehen, dass wir darüber weinen, Gott nicht alles gegeben zu haben, worum er uns gebeten hat!? Wie göttlich war doch diese Geste: Gott wird zum Bettler, um uns die Freude zu machen, dass wir es sind, die etwas haben, was wir IHM geben können!“

    Diese Erzählung kam mir beim Betrachten des Evangeliums von Christkönig (nachzulesen bei Matthäus 25,31-46) in den Sinn. Der für mich beeindruckendste Satz Jesu heißt: Was Ihr für einen meiner geringsten Brüder (oder Schwestern) getan habt, das habt Ihr mir getan!

    Was können wir nun also Gott geben?

    Wir sind jeden Tag, ja jeden Augenblick eingeladen, im Nächsten, im Nachbarn, im Gegenüber, im Hungernden, im Durstigen, im Kranken, im Gefangenen, im Benachteiligten, im Ausgegrenzten, im Einsamen, im Notleidenden, im Fremden oder auch im vertrauten Menschen die besondere, die „königliche“ Würde zu entdecken!

    Hilfreiche, kreative und barmherzige Gedanken wünscht Ihnen nicht nur am Christkönigssonntag (oder auch Ewigkeitssonntag)

    Bruno Comes, Kooperator-Pfarrer

  • Glaube im Alltag 14./15. November 2020_Konstanze Petry_Trau dich!

    Trau dich!

    Im Sonntagsevangelium ist von Jesus die Rede, der das Gleichnis von den anvertrauten Talenten erzählt. Ein reicher Mann vertraut seinen drei Knechten sein Vermögen an. Jedem gibt er unterschiedlich viel, je nach dessen Fähigkeiten. Nach seiner Rückkehr zeigt sich, dass zwei der Knechte aus den Talenten mehr erwirtschaftet haben, wohingegen der Dritte seins vergraben hat. Bei uns Menschen heute ist es nicht viel anders. Der Begriff „Talent“ ist nicht nur wie damals eine Geldeinheit, sondern bedeutet auch so viel wie „Begabung“. So hat auch jeder von uns unterschiedliche Talente erhalten. Gott hat uns unterschiedlich ausgestattet, jeden nach seinen Fähigkeiten. So ist auch die Verantwortung, die jeder bekommt, unterschiedlich. Insgesamt gesehen sind die Talente ungleich verteilt. Oft versuchen wir daher uns untereinander zu vergleichen und sind unzufrieden mit uns selbst und unseren Leistungen. Insgesamt ist daher wichtig, dass alle ihre Talente einsetzen und wir uns gegenseitig ergänzen, damit niemand sein Talent vergräbt und dieses nicht nutzt, so wie der dritte Knecht im Gleichnis. Sätze wie „Ich fürchte mich“, „Ich traue mich nicht“ oder „Ich kann das nicht“ sollte es nicht geben. Niemand sollte Angst haben müssen etwas falsch zu machen. Angst ist grundsätzlich der falsche Weg und hindert uns am Vorankommen. Im Gleichnis ist man ein treuer Knecht, wenn man seine Talente einsetzt. Nehmen wir uns daran ein Beispiel. „Welche Talente wurden mir von Gott gegeben?“ sollte sich jeder fragen. In jeden von uns hat Gott so viel Gutes, Überragendes und Großartiges „gepackt“. Er hat jedem von uns viel anvertraut, er traut jedem richtig viel zu, jeweils nach unseren Fähigkeiten. Weshalb setzten wir also unsere Talente nicht öfter ein? Warum überlegen wir sogar sie zu vergraben, da wir uns nicht trauen sie einzusetzen? Wenn Gott uns so viel zutraut, weshalb sollten wir uns selbst nur wenig zutrauen? Von daher: Trau dich!

    Konstanze Petry

    - Oberstudienrätin an der IGS Salmtal -

  • Glaube im Alltag 7./8. November 2020_Jan Lehmann_Die Lichtgestalten in den Wintermonaten

    Die Lichtgestalten in den Wintermonaten

    Um uns herum wird es zunehmend dunkler. Das hängt einmal mit der Jahreszeit zusammen. Die Nächte werden länger und die Tage kürzer. Das mag für manche auch mit dem Corona-Virus zu tun haben.

    Daher wird es in den kommenden Wochen wichtig sein, Orientierungspunkte zu haben, die  uns durch diese Zeit begleiten. Einige von ihnen will ich ihnen vorstellen. Von manchen werden sie als Heilige bezeichnet, andere sehen in ihnen Lichtgestalten. Egal wie wir sie nennen, ihren Mut, ihre Zuversicht und ihre Hoffnung können wir im Moment gut gebrauchen.

    Es geht nächste Woche mit dem Hl. Martin (11. Nov.) los. Die Laternen und die Martinsfeuer erinnern uns an seine menschliche Wärme als junger Soldat und Bischof. Wenige Tage danach begegnen wir am Fest der Hl. Elisabeth (19. Nov.) einer starken Frau, die trotz aller Widerstände ihren Weg gegangen ist und so Brot und Rosen teilte. Ende November feiern wir den Hl. Andreas (30. Nov.). Der erste Apostel, der auf den Ruf Jesu geantwortet hat: „Ja, ich vertraue dir.“ Am 04. Dezember ist der Tag der Hl. Barbara. Die Barbarazweige, die jetzt geschnitten werden machen uns deutlich, dass selbst im toten Holz schon Leben ist. Der Hl. Nikolaus (06. Dez.) ist ein großer Menschenfreund. Die Legenden um seine Person erzählen davon, dass er sich um das Lebensnotwendige kümmerte. Am 13. Dezember ist das Fest der Hl. Luzia. Sie ist in Schweden bekannter als bei uns. Ihre Lebensentscheidungen hat sie so getroffen, dass sie dadurch näher am Licht war.

    Das neue Jahr beginnt mit dem Fest der Hl. Drei Könige (06. Jan). Die Weisen aus dem Morgenland bringen die Botschaft Jesu in alle Welt, in alle Häuser. Der Hl. Sebastian am 20. Januar führt uns vor Augen, mit welchem Mut dieser Mann gegen die Missstände seiner Zeit angekämpft hat. Der Abschluss bildet der 02. Februar, das Fest der Darstellung des Herrn. Manchen noch als Lichtmesstag bekannt. Ab jetzt werden die Tage wieder spürbar länger.

    Jan Lehmann, Jugendpfarrer, Kirche der Jugend Marienburg

     

  • Glaube im Alltag 31. Oktober 2020_Uschi Fusenig_... Gottes tröstendes Zeichen

    … Gottes tröstendes Zeichen

    Noch scheint die herbstliche Sonne und beschert uns manche angenehme Stunde im Garten oder bei einem Spaziergang in der Natur. Doch dunkle Wolken schweben über uns; sie künden von anderen Zeiten. So ist es sicherlich angebracht jede freie Minute zu nutzen, um Licht und Wärme zu tanken, sie bis in unser tiefstes Inneres aufzunehmen. Und dann erfüllt davon uns immer wieder an diese wohltuende Wärme zu erinnern, wenn wir die dunklen Zeiten durchleben. In unserem Leben geschieht dies oft genug überraschend: ein Unfall, eine Krankheit, die Trennung von einem geliebten Menschen durch seinen Tod, Verlust des Arbeitsplatzes. Und nun die Zeit der Pandemie, deren Ende nur erahnt werden kann, begleitet von Wünschen und Hoffnungen, das ihr Ende in naher Zukunft liegen möge. Wenn die Natur sich mit dicken Regentropfen über das Land ergießt, schafft es die Sonne immer wieder ihre hellen Strahlen über unsere Welt auszubreiten. Ihr Licht spiegelt sich dann in den Wassertropfen und zu unserer Erbauung erstrahlt oft ein bunter, schillernder Regenbogen und überspannt den ganzen Himmel.

    Er erinnert uns daran, was Gott uns einst versprochen hat: “Das ist das Zeichen des Bundes. Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde.“

    Mit jedem Regenbogen am Himmel schickt Gott uns somit ein tröstendes Zeichen für seine Liebe und Treue. Die bunte Farbenpracht erfreut unser Herz und wir können uns im Vertrauen auf Gottes Versprechen im Leben sicher und geborgen fühlen. An dieses Versprechen sollten wir uns gerade heute am Reformationstag in der evangelischen Kirche, morgen an Allerheiligen in der katholischen Kirche und in der nächsten Zeit immer wieder erinnern. Daraus können wir Kraft und Zuversicht aufnehmen, getröstet unseren Lebensweg weitergehen und fest daran glauben, dass es ein Leben mit und nach der Pandemie geben wird. Wir sind alle nicht allein, sondern werden beschützt, denn unser Gott ist immer bei uns “alle Tage, bis ans Ende der Welt und in alle Ewigkeit“.

    Uschi Fusenig (Prädikantin der Evangelischen Kirchengemeinde Bernkastel-Kues/ Schulseelsorgerin Freiherr-vom-Stein-Realschule plus)

  • Glaube im Alltag 24./25. Oktober 2020_Wolfram Viertelhaus_50 plus ewig

    50 plus ewig

    Wie gebannt schauen wir täglich auf die neuen Corona-Zahlen und registrieren die Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie. Unsere Endlichkeit wird uns unterschwellig bewusst. Dass die Infektionen steigen, wird auch auf den Lebenshunger zurückgeführt, der z.B. im unvorsichtigen Feiern zum Ausdruck kommt. Wir waren gewohnt alle möglichen Vergnügungen unbeschwert zu genießen. Hatte man früher den Christen eine Vertröstung auf das Jenseits vorgehalten, so wurde diese durch eine Art Vertröstung auf das Diesseits abgelöst. „Früher lebten die Leute 30, 40, 50 Jahre plus ‚ewig‘ – wir modernen Zeitgenossen leben noch maximal 90 Jahre und haben die Ewigkeit nicht mehr im Gepäck“ (Michael Broch). Die Hoffnung auf ein Leben, das die Schranke des Todes überspringt, ist Kern der christlichen Botschaft. Daran hängt nach Paulus (1. Korintherbrief) der ganze christliche Glaube. Der Glaube daran, dass unser Leben reicher ist, als wir es erfahren, weiter als unsere Perspektive es vermuten lässt, dies Vertrauen ist ein Geschenk, es kann nicht durch Willen und Verstand erlangt werden. Um ein Geschenk empfangen zu können, braucht es leere Hände. Der Glaube an ein größeres Leben, selbst über den Tod hinaus, entlastet und befreit mich. Ich muss nicht alles erreichen, erleben oder leisten. Gott füllt meine Hände. Mir ist bewusst, dass  mein Leben ein Fragment bleibt. Wenn ich das akzeptieren kann, befreit mich das von jeder Art perfekt sein zu müssen: in der Familie, im Beruf, im Hinblick auf Aussehen und Gesundheit. So kann ich auch mit den Einschränkungen, die Corona gebietet, ohne Groll leben. Die Möglichkeiten, die mir trotzdem geschenkt sind, eröffnen ganz neue Perspektiven. So haben viele die Schönheiten in unserer Region neu entdeckt, werden Freundschaften in der Umgebung zu neuem Leben erweckt, schätzen wir die kleinen Freiheiten bewusst. Mit mehr als diesem Leben zu rechnen, kann erlösend in der jetzigen Situation wirken. Der Himmel, der jetzt schon aufgeht, schenkt Mut, Hoffnung und Gelassenheit.

    Wolfram Viertelhaus, Autobahn- und Radwegekirche St. Paul Wittlich

  • Glaube im Alltag 17./18. Oktober 2020_Armin Surkus-Anzenhofer_Ein Glied in der Kette der Menschheit

    Ein Glied in der Kette der Menschheit

    Ich bin aktuell der 3.512.975.771. Erdenbürger. Woher ich das weiß? Im Internet gibt es einen Weltbevölkerungsrechner. Dort habe ich mein Geburtsdatum eingegeben und schon hat der Rechner mir diese Zahl ausgespuckt.

    Ich finde das einen faszinierenden Gedanken: Wir Menschen stehen in einer Kette zueinander. Jeder hat in dieser Kette der Menschheit seinen Platz. Auf jeden einzelnen Menschen kommt es an. Der Rechner fragt nicht: Wo bist Du geboren? Wieviel verdienst Du? Wie einflussreich und mächtig bist Du? Welche Hautfarbe oder Religion hast Du? Für jeden Menschen spuckt er eine Zahl aus. Und diese Zahl stellt alle Menschen gleichwertig nebeneinander. Ein zutiefst christlicher Gedanke. Gott zählt auf jeden Menschen. Jeder ist ihm einmalig wichtig. Ja, sogar die Haare auf unserem Kopf hat er alle gezählt, wie könnte er nicht mit uns rechnen? Von ihm her hat jeder Mensch seinen Platz auf dieser Erde, seinen Wert und seine unverlierbare Würde. Auf diesem Platz kann der Mensch sich entfalten und er selbst werden, weil Gott ihn einzigartig geschaffen und mit Begabungen ausgestattet hat, mit Leidenschaft, Charakter und Persönlichkeit. Jeder Mensch füllt seinen Raum so wie kein anderer.

    Wenn ich so die Menschen anschaue, hat das Auswirkungen. Das kleine Baby in meinen Armen, ich frage es: „Was wirst Du uns beibringen vom Leben?“ Die alte Frau mit ihrem Rollator lässt mich fragen: „Was weißt Du vom Leben, das mir verborgen ist?“ Und die Augen des Geflüchteten im Boot lassen mich die Frage stellen: „Was kann ich, was können wir tun, um Dich zu retten und Dir den Platz zu geben, der Dir zusteht?“ Und der Jugendliche fragt mich an: „Welchen Platz habt Ihr für mich, mich zu entdecken, zu entfalten und zu finden?“

    Geben Sie doch mal Ihr Geburtsdatum in den Bevölkerungsrechner ein. Sie werden sehen: Auch Sie sind ein einmaliges Glied in der Kette der Menschheit. Sie kennen den vor ihnen und die nach ihnen nicht. Aber es gibt eine Verbindung zwischen uns allen, die aus Zahlen Menschen macht.

     

    Armin Surkus-Anzenhofer,

    Pastoralreferent im Dekanat Wittlich und an der FachstellePlus+ für Kinder- und Jugendpastoral Marienburg und Wittlich

  • Glaube im Alltag 10./11. Oktober 2020_Hermann Barth_Wie man seine Zeit voll ausnutzt

    Wie man seine Zeit voll ausnutzt

    Kommen Sie mit Ihrer Zeit zurecht? Ein Weiser hat dazu einmal ein spannendes Experiment vorgeführt.

    Er nahm einen großen Glaskrug und zehn tennisballgroße Steine. Die legte er sorgfältig in den Krug. Dann fragte er: „Ist der Krug voll?“ die Umstehenden nickten. „Wirklich?“ er holte einen mit Kies gefüllten Becher hervor, kippte den Kies über die Steine, sodass er sich zwischen den großen Steinen verteilte. „Ist er jetzt voll?“ Einer antwortete: „Wahrscheinlich nicht.“ Der Weise griff lächelnd zu einem Eimer Sand und schüttete den Sand in den Krug, bis alle Zwischenräume ausgefüllt waren. „Und jetzt?“ Die Leute schwiegen. Der Weise nahm eine Wasserkanne und füllte den Krug mit Wasser bis zum Rand.

    Dann blickte er auf. „Das Wichtige an diesem Experiment ist: Wenn man die großen Steine nicht als Erstes in den Krug legt, werden sie später niemals hineinpassen. Deshalb stellt euch selbst die Frage: „Was sind die großen Steine in meinem Leben? Und dann legt diese zuerst hinein.“

     

    Hermann Barth, Altrich,

    Diplom Pädagoge u. ehemaliger Geschäftsführer des Caritasverbandes

  • Glaube im Alltag 02./04. Oktober 2020_Paul Plehacz_Wichtige Fragen – nicht nur in Coronazeiten

    Wichtige Fragen – nicht nur in Coronazeiten

    In diesen Zeiten fühlen viele sich verunsichert. Manche Dinge sind nicht immer das, was sie zu sein scheinen. Oft passiert genau das, was man nicht erwartet hat. Es ist auch eine Zeit des Vertrauensverlustes in die Gesellschaft, aber auch in die mit sich selbst beschäftigte Institution Kirche. Bei meiner Suche nach Hilfen und Orientierung bin ich auf eine Geschichte von Leo Tolstoi gestoßen, die deutliche Parallelen zum Samaritergleichnis aufweist: Es war einmal ein König, der von drei wichtigen Fragen geplagt wurde: 1. Wer ist am wichtigsten? 2. Was ist am wichtigsten? 3. Auf welchen Moment im Leben kommt es an? Niemand an seinem Hof konnte diese Fragen beantworten, daher begab der König sich inkognito auf Reisen. Nach vielen Versuchen kam er schließlich bei einem Einsiedler in seiner versteckten, einfachen Klause unter. Als er dabei war auf dem harten Lager einzuschlafen, wurde er von lautem Getöse geweckt. Ein blutüberströmter Fremder war ins Haus eingedrungen und bat eindringlich, ihn vor seinen gewalttätigen Verfolgern zu verstecken. Die beiden Bewohner verbanden zunächst seine Wunden und versteckten ihn in einer entfernt liegenden Hütte. Als die Verfolger eintrafen, durchsuchten sie die Klause gründlich, konnten aber niemanden entdecken. Am Morgen fragte der König den Einsiedler, warum er dem Flüchtling trotz der Gefahr für ihr Leben Unterschlupf gewährt hatte. Der Alte antwortete: „Wer in diesem Moment deine Hilfe braucht, ist der wichtigste Mensch auf der Welt. Und das Wichtigste ist, sofort zu handeln und sich um ihn zu kümmern. Der wichtigste Moment ist also das Jetzt.“ Die Umsetzung dieser Anweisungen wird uns in unserem Alltag nicht leicht fallen; denn es erfordert einigen Mut, den sich sofort meldenden „Aber- und Aufschiebegeistern“ zu widerstehen. Eigentlich sollte ich, aber jetzt passt es gerade nicht. Eigentlich sollte ich diesen Menschen anrufen oder besuchen, aber…dass es möglich ist, diese Geister zu besiegen, zeigt uns der Feiertag zum 30-jährigen Jubiläum der deutschen Einheit. Haben nicht die Menschen in der ehemaligen DDR unter Lebensgefahr vor 30 Jahren gemeinsam die Freiheit erkämpft! Mit ein wenig Mut kann man sein, wer man möchte. Und mit noch etwas mehr Mut kann man sogar sein, wer man ist.

    Paul Plehacz, Lehrer i. R.

  • Glaube im Alltag 26./27. September 2020_Stephan Reimund Senge_Kirche der Zukunft

    KIRCHE DER ZUKUNFT

    Schon spannend in einer aufregenden und bewegenden Zeit zu leben, problembehaftet durch Corona, aber auch herausgefordert von neuen Ideen und Überlegungen im Blick auf Gemeinden und Kirchen. Die Jahre sind, Gott sei Dank, vorbei, wo Religion viel mit bürgerlichem Anstand und Loyalität zur Institution Staat zu tun hatte, auch geprägt vom Gehorsam gegen die kirchliche Obrigkeit.

    Anna, die in ihrem faszinierenden Tagebuch an Mister Gott schreibt, kennt folgende Erfahrung. „Lieber Mister Gott, also furchtbar gern geh ich nicht in die Kirche, hab ich zu Fynn (ihrem Freund) gesagt. Woher weißt Du denn, ob Mister Gott da drin ist? Er kann drin sein, aber er muss nicht. Nur wenn wir ihn mit reinnehmen, dann ist er bestimmt drin. Ich würd ja an Mister Gott seine Stelle von allein auch nicht kommen. Ich würd immer warten, dass mich die Leute mitnehmen.“ Soweit Anna.

    „Wenn wir ihn mit reinnehmen, dann ist er bestimmt drin“, schon ein Ausrufezeichen für unser Verhältnis zu Gottesdienst und Gemeinden. Im Gleichnis spricht Jesus vom Vater, der beide Söhne zur Arbeit im Weinberg schickt. Der erste sagt: „Ich will nicht!“, geht aber später doch. Der andere sagt „Ja!“, geht aber nicht. Der Jasager lässt uns darüber nachdenken, ob wir in frommen Worten oder Zeremonien ein Mittun im Raum Kirche bekräftigen und dabei steckenbleiben, aber im Alltag ganz andere sind, oder wie der andere Sohn nach anfänglichem Nein sagen intensive Mittäter werden oder auch wie Anna mit unserem Einsatz und unserer Sorge für andere Menschen den Herrn in unser kirchliches Tun hineinnehmen. Auch die Menschen in Weißrussland warten darauf, dass wir ihnen unsere Solidarität beweisen.

    In Himmerod findet heute Abend bis in die Morgenfrühe die Weltgebetsnacht statt in der Kirche und im umliegenden Gelände. „Die Zukunft der Kirche“, ist das Thema. Jasager, Mittäter in unseren Gemeinden, ein Abenteuer.

    Stephan Reimund Senge, Himmerod

  • Glaube im Alltag 19./20. September 2020_Christiane Friedrich_Zuversicht und Gottvertrauen

    Zuversicht und Gottvertrauen

    Gerade in dieser Zeit mit diesem nicht sichtbaren Virus merken wir Menschen, dass das Leben lebensgefährlich ist. Einmal mehr bekommen wir das als ganze Gesellschaft, länderübergreifend, ja weltumspannend vor Augen gehalten. Darauf reagieren wir mal ängstlich, verzweifelt, mal ruhig, gelassen, mutig und hoffnungsvoll.

    Als Christin erinnert mich das an Jesus und seine Botschaft. In der Bibel erzählen die Frauen und Männer um Jesus, wie er am Abend vor seinem Tod ihnen seine Botschaft ein letztes Mal verdeutlicht: er wäscht ihnen die Füße und er teilt mit ihnen Brot und Wein und bittet sie, dies immer wieder zusammen zu tun.

    Für mich wird hier das Wesentliche zusammengefasst, wie wir zusammenleben und Lebenskrisen miteinander durchstehen können: „einander achten“ und „miteinander teilen“.

    „Einander achten“ und „miteinander teilen“ in dieser Lebenskrise könnte zwischenmenschlich heißen: Zeit miteinander teilen, Einander zuhören, Fragen zulassen, Einander verstehen lernen, Ängste miteinander aushalten, Einander Vertrauen schenken, Gemeinsam Wege ausloten bei existentiellen Sorgen und Nöten, Einander Zuversicht schenken, Miteinander lachen, Freude teilen.

    Einmal mehr sehe ich uns herausgefordert, in unserer Gesellschaft, länderübergreifend, ja weltumspannend, religionsverbindend unterwegs zu sein und solidarisch zu leben und zu handeln zusammen mit den Schwächsten, den Ärmsten, den zwischen den Ländergrenzen gestrandeten Geflüchteten. 

    Das Leben stellt uns immer wieder vor unerwartete Herausforderungen. Uns allen wünsche ich, sie gemeinsam zu bestehen und unser bedrohtes Leben solidarisch zu leben in Hoffnung, mit Zuversicht und im Vertrauen auf Gott an unserer Seite, daran glaubend: … in das Ungewisse deiner Zukunft, in den Segen deines Helfens, in das Elend deiner Ohnmacht, in all dein Sein, in dein Fühlen und Denken lege ich meine Zusage: Ich bin da.       

    (aus dem Lied: „In das Dunkel“ von Paul Weismantel und Barbara Kolberg 2007)

    Christiane Friedrich, 

    Pastoralreferentin für Erwachsenenbildung im Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 12./13. September 2020_Thomas Pesch_Kommunion - das heißt Gemeinschaft

    Kommunion – das heißt Gemeinschaft

    „Weißt Du Thomas, Kommunion – das heißt Gemeinschaft“, so hat mich mein Patenkind Paul Lukas am vergangenen Samstag begrüßt, als er uns die Haustüre geöffnet hat. Nach langen Monaten des Wartens und Verschiebens war endlich der Festtag seiner Erstkommunion gekommen. Im Wohnzimmer war der Tisch festlich gedeckt und wir alle haben uns auf den Gottesdienst in der Pfarrkirche gefreut. Und auch, wenn der Kreis der Feiernden deutlich kleiner war, als er das noch im letzten Jahr gewesen wäre, so war es doch das erste Mal, dass es wieder eine Familienfeier gab. Gemeinsam Gottesdienst feiern, gemeinsam die Kommunion empfangen, sich gemeinsam freuen, anschließend gemeinsam essen, sich unterhalten und den Tag ausklingen lassen. Die Kommunionkinder werden in die Tischgemeinschaft der Kirche aufgenommen und stehen einen Tag lang ganz im festlichen Mittelpunkt. Sie sind stolz, teilhaben zu können und stolz, Gäste zu haben, mit denen sie diesen Tag teilen können. Freunde und Bekannte, die nicht dabei sein konnten, haben Karten und Geschenke geschickt. Sie haben Paul Lukas Segens- und Glückwünsche mit auf den Weg gegeben. Nach dem Essen hat er uns jede seiner Glückwunschkarten vorgelesen. So waren auch alle fernen Gratulanten ein Teil unseres Festes. Paul Lukas hat wirklich gespürt, das er Teil einer Gemeinschaft ist. Einer Gemeinschaft in der Kirche, am Tisch im Wohnzimmer und im Herzen jener Gratulanten, die aus der Ferne gratuliert haben. Wir alle haben dieses Fest genossen. Es war in diesem Jahr nicht ein Fest unter vielen, sondern es war wirklich das Fest des Jahres, ein ganz besonderes Ereignis, auf das wir uns alle schon lange gefreut haben. Ich wünsche allen Kommunionkindern, ihren Eltern und all ihren Gästen die Erfahrung dieser Gemeinschaft und ein wunderschönes Fest. An welchem Tag wir Erstkommunion feiern ist nicht so wichtig, wichtig ist, dass wir sie feiern! 

     

    Thomas Pesch, stellv Pflegedirektor im Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich
    u Ehrenamtlicher in der Jugendarbeit

  • Glaube im Alltag 05./06. September 2020_Bruno Comes_Der "reiche" Dumas

    Der „reiche“ Dumas

    „Der Graf von Monte Christo“ und „Die Drei Musketiere“ sind die bekanntesten Werke von Alexandre Dumas d.Ä., einem der erfolgreichsten Autoren des 19. Jahrhunderts. Seine Werke ließen sich sehr gut verkaufen und machten ihn zu einem Mann, der über sehr viel Geld verfügte. Er baute sich davon ein Schloss mit dem schönen Namen „Monte Christo“, fast wie im Original seines Buches.

    Das Schloss hatte einen schönen Park, Wasserspiele darin und eine etwas abseits gelegenen neugotische Schreibstube, in der ihn niemand seiner Gäste beim Schreiben stören konnte.

    Der Architekt des Schlosses hatte anfänglich große Bedenken ins Feld geführt und sagte zu den Plänen des Autors: „Monsieur Dumas, das alles wird sie hunderttausende Franc kosten!“

    Dumas antwortete: „Das will ich hoffen!“

    Im Sommer 1847 war der Schlosstraum Wirklichkeit geworden. Viele Freunde gingen ein und aus und erzählten von Dumas‘ vollendeter Großzügigkeit.

    Auf dem Kaminsims des Herrenzimmers habe er immer eine Schale mit Goldmünzen stehen gehabt.

    Wenn Gäste im Haus waren, die vielleicht im Stillen Not litten, sollten sie dort einfach, ohne zu fragen, zugreifen dürfen. Es sei zu demütigend, sagte Dumas, wenn man Freunde habe, die um Geld bitten müssten. Das wollte er ihnen ersparen. Bemerkenswert!

    Warum erzähle ich von ihm?

    Offensichtlich war er innerlich frei und hatte sein Herz nicht an das Geld verloren.

    So stelle ich mir Fragen:

    Wie ist meine Bindung an die irdischen Dinge?

    Wie frei bin ich vom meinem mehr oder weniger großen Reichtum?

    Was ist bei mir vorrangig und wichtig?

    Was zählt letztlich im Leben und vor Gott?

    … Übrigens: Dumas hat seine Großzügigkeit durchgezogen.

    Man könnte ihm gewiss eine gehörige Portion Naivität unterstellen, aber ich bin nicht sicher, ob das stimmt.

    Ein knappes Jahr nach seiner Schlosseinweihung war er nämlich bankrott.

    Es ist in jedem Fall interessant, wie er mit seinem Reichtum umging! War Dumas reich oder arm oder was? Entscheiden Sie!

     

    Bruno Comes, Kooperator-Pfarrer

  • Glaube im Alltag 29./30. August 2020_Elfriede Klar_Sehen und gesehen werden

  • Glaube im Alltag 22./23. August 2020_Monika Klas_Was für ein Sommer, unser Corona-Sommer!

    Was für ein Sommer, unser Corona-Sommer!

    Glaube im Alltag 22./23. August 2020

    Der dritte zu trockene Sommer in Folge, aber das Wetter ist geradezu ideal für den Urlaub zuhause oder im eigenen Land. Egal ob man sich auf Fahrrad- und Wanderwegen, in Innenstädten, in Schwimmbädern, auf Campingplätzen, in Hotels oder wo auch immer bewegt, man trifft auf Menschen, die sich Alternativen zu dem gesucht haben, was sie normalerweise in ihrem Urlaub gebucht oder gemacht hätten. Man besinnt sich auf das Wesentliche und – nicht nur geographisch – auf das Naheliegendste. Wie paradox sich das Leben doch durch eine Krise manchmal verändert. Man rückt irgendwie trotz Hygieneregeln und Abstandsgeboten näher zusammen. Das Vertrauen in sich selbst, die Mitmenschen und nicht zuletzt das Gottvertrauen scheinen gestärkt zu werden. Und das ist gut so! Denn durch eine wie auch immer geartete Krise werden wir mehr oder weniger schnell aus unserer Komfortzone herauskatapultiert und müssen uns plötzlich in einer unbequemen Risikozone bewegen. Diese ist uns suspekt und unsere Bewegungen erstrecken sich auf einer Skala von unsicher bis panisch. Wohl dem, der stabile Grundwerte hat, auf die er zurückgreifen kann. Auch wenn sie vielleicht etwas brach lagen oder angestaubt zu sein scheinen, aber sie bieten Orientierung und Stabilität. Die Liebe zu Gott, sich selbst und dem Nächsten werden ganz sicher nicht oft außerhalb des Kirchenraumes als solche benannt, aber sie werden gelebt. Ethische Prinzipien, die letztlich fast immer eine christliche Basis haben, spielen in unserem Alltag wieder eine größere Rolle. Man ist sich mehr oder weniger bewusst, dass solidarisches und subsidiäres Verhalten zum Ziel und durch die Krise führen. Egozentrik und Eigennutz sind fehl am Platze. Vertrauen wir darauf, dass wir selbst mit unseren Mitmenschen und Gottes Hilfe unsere Entscheidungen so treffen, dass die Risikozone mehr und mehr ihren Schrecken verliert und wir uns immer sicherer darin bewegen können.

    Monika Klas

  • Glaube im Alltag 15./16. August 2020_Petra Jung_Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch für was gut ist

    „Es gibt nichts Schlechtes, das nicht auch für was gut ist…“

    Glaube im Alltag 15./16. August 2020

    Die letzten fünf Monate haben ihre Spuren hinterlassen und unseren Lebensstil verändert. Das Virus bewirkt, was die Fridays-for-Future-Jugend wollte. Flieger blieben am Boden und Dienstreisen wurden eingestellt. Wissenschaft und entscheidungsstarke Politik haben Deutschland bis jetzt gut durch die Krise geführt. Vieles hat sich verändert: Keine Messen, Kongresse, Businessreisen. Ein nachhaltiger Wandel zeichnet sich ab in der Arbeitswelt. Was geht auch zukünftig online? Homeoffice und Homeschooling sind notgedrungen Alternativen geworden.

    Mich beeindruckt, wie die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung bisher gewirkt haben. Als „älteres Semester“ muss ich mein Leben auch nicht so arg umstellen wie die jungen Leute, die z.B. nach dem Schulabschluss nun nicht „den Sommer ihres Lebens“ erleben und stattdessen beim „Cornern“ von Ordnungshütern ermahnt werden, nichts von dem zu tun, was sie gerne tun…

    Trotzdem: Es ist nicht alles schlecht jetzt, denn wir kommen zur Besinnung. Nicht nur auf Haus, Hof und Garten. Kleine Gemeinschaften entstehen wieder neu und festigen sich. Familien haben tatsächlich wieder täglich am Esstisch gesessen und Zeit miteinander verbracht. Wir lernen Nähe und Verbundenheit wieder in ihrem Wert schätzen. Wir schalten einen Gang zurück, sind nicht mehr so überhitzt und umtriebig – wie auf der Flucht.

    Ich denke auch an die große Isolation vor allem alter Menschen in den Alten- und Pflegeheimen, die einsamen Sterbenden der März -und Apriltage. Aber in diesen Leiden, Zumutungen und Härten, in diesem großen naturbedingten Übel steckt doch auch etwas, das uns gut tun kann: Es gibt uns die Gelegenheit zum Innehalten und zum Neu-Denken des pathologischen Wachstums, von Massentourismus, Co-2-Ausstoß und Müllmengen. Wie schön kann eine Wanderung in der Eifel sein statt einer Flugreise - wenn der Wald noch nicht vertrocknet ist.   

    Die Erfahrung der letzten Monate stellt uns und unsere Lebensart in Frage. Zum Kern des Christlichen gehört Verantwortung, das heißt nach guten Antworten darauf zu suchen.   

    Petra Jung

    Pastoralreferentin im Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 08./09. August 2020_Johannes Jaax_Ausgebremst unterwegs

    Ausgebremst unterwegs

    Glaube im Alltag 08./09. August 2020

    Es ist Urlaubszeit und viele Menschen sind unterwegs, wollen entspannen und diese freie Zeit genießen und sie erleben: wir werden ausgebremst. Da waren und sind Grenzen geschlossen, Urlaubsorte nicht zu erreichen, und vor Ort durch Corona alles dichtgemacht. Und dann die ganzen Auflagen, die ein beschwerdefreies Genießen fast unmöglich machen. Maskenpflicht, Abstandsregeln, eingeschränkte Bewegungsfreiheit, Quarantäne, und wir diskutieren und kämpfen um unsere Freiheit. Dazu die Angst, sich anzustecken. Ist so Erholung, Regeneration überhaupt möglich?

    Etwas Ähnliches durchlebt zurzeit die katholische Kirche. Immer schon, so weiß es das Vat II zu sagen, ist Kirche unterwegs als pilgerndes Gottesvolk. So erlebt sich auch das Bistum Trier, will sich auf den Weg machen, will sich erneuern, will, geschüttelt von vielen Krisen, sich in gewisser Weise durch Reformen irgendwie erholen und erlebt: Wir werden ausgebremst. Unserem Bewegungsdrang als Kirche sind Grenzen gesetzt, da gibt es viele Auflagen, da gibt es ein System von Regeln und Gesetzen, und vor allem, da ist die Angst, zu verlieren, all das prägt diese Zeit nach der Bistumssynode und lässt die Frage aufkommen: Ist so Erneuerung möglich? Und wo bleibt da die Freiheit, die zur Grundlage des Glaubens gehört. Immerhin: Ostern ist das Fest der Befreiung.

    Parallele Prozesse in Gesellschaft und Kirche lassen die Vermutung zu, dass da auch ähnliche Ansätze bei der Lösung der Probleme dieser Zeit wichtig sind.

    Ganz wichtig: die Frage nach der Freiheit. So grundsätzlich das Ja zur Freiheit auch sein muss, so differenziert sollten wir die Frage nach dem Wie ihrer Verwirklichung angehen. Denn jede Freiheit findet ihre Grenze in der Freiheit des anderen. Die eigene Freiheit auf Kosten der Freiheit der anderen auszuleben, kann nicht der richtige Weg sein, wie Leben, wie menschliche Gemeinschaft gelingen kann. Hier gilt es, immer wieder neu zu fragen, wie Freiheit gemeinsam verwirklicht werden kann.

    Pfarrer Johannes Jaax,
    Pfarreiengemeinschaft Salmtal; Dechant Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 01./02. August 2020_Rainer Martini_Ein Leben in Gottes Sinn

    Ein Leben in Gottes Sinn

    Glaube im Alltag 01./02. August 2020

    Viereinhalb Monate ist es nun bereits her. 27 Jahre lang war ich fast täglich zu Veranstaltungen und Treffen mit Ehrenamtlichen aus den vielen Gemeinden zweier Kreisgebiete unterwegs - und dann: Corona! Stillstand! Nur noch „Caritas der Gemeinde“ im Büro. Ein persönlicher Loockdown. Völlig ungewohntes Arbeiten. Telefonieren. E-Mails. Kontaktpflege auf Distanz. Sicherlich - die Zeit ohne die vielen abendlichen Termine hatte und hat ihre schönen Seiten und bietet die Möglichkeit, die Natur unserer Heimat zu erkunden und die notwendige Gartenarbeit und andere Alltagsarbeiten ohne den ständigen Zeitdruck zu erledigen. 

    Je länger diese besondere Zeit nun andauert, desto deutlicher wird mir jedoch mit jedem Tag, wie wichtig mir die persönliche Begegnung mit den Menschen, das herzliche gegenseitige Begrüßen, die aufrichtige Freude am Wiedersehen und das gemeinsame Berichten, Diskutieren und Pläne-Schmieden im Dienst am Nächsten doch ist! 

    Die Treffen mit den mir so vertraut gewordenen engagierten Ehrenamtlichen aus Caritas-Helferkreisen, Sozialen Initiativen und Projekten fehlen mir täglich mehr. 

    Durch diesen Lookdown erkenne ich noch intensiver, welches Geschenk ich im Leben erhalten habe: Einen Beruf, eine Berufung, die es mir erlaubt, mit vielen Menschen guten Willens – die ich sonst leider nie kennengelernt hätte - gemeinsam Projekte zu entwickeln, in denen die Sorge und die Hilfe für den Nächsten im Mittelpunkt stehen.

    Etwas für die Mitmenschen bewegen und sich einzusetzen, dies ist eine wunderbare (Lebens)Aufgabe - für hauptamtlich Tätige, für Ehrenamtliche und für jeden von uns! 

    Wer bewusst aus dieser Herzens-Haltung heraus lebt, erlebt oft eine hohe Zufriedenheit, ein Gefühl, im Frieden mit den Menschen und mit sich selbst zu sein, gelassener das zu erwarten, was kommen mag. Es ist der Gegenentwurf zu einem Leben, das nach Geld, Reichtum, Macht, hartem Regieren, Titel, Eitelkeit und Karriere strebt. Was bleibt hier am Ende eines Lebens davon übrig? Bestenfalls eine ungute Erinnerung bei den Mitmenschen und vielleicht der späte Gedanke, es besser doch anders gemacht zu haben....

    Ist es nicht erstrebenswerter, auf ein Leben zurückblicken zu können, in dem ich einfühlend, liebevoll und nachsichtig mit den Menschen umgegangen bin? Ein Leben mit Verständnis für die Lebenssituationen derjenigen, denen ich im Beruf, in der Nachbarschaft, im Alltag und in der Familie begegne. Ein Leben, in dem ich mich solidarisch für Schwächere eingesetzt und nicht vorverurteilt habe, sondern in Jedem das für ihn Mögliche gesehen habe. Ein solches Leben kann dazu beitragen, dass diese Welt für Andere und auch für mich selbst ein besserer Ort sein wird, an dem auch ich in mir selbst ruhen kann. Kein Leben der vertanen Chancen – ein Leben in Gottes Sinn.....

    Rainer Martini

    Fachdienst Caritas der Gemeinde

    Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück e.V.

  • Glaube im Alltag 25./26. Juli 2020_Rainer Marmann_Steh auf!

    „Steh auf!“

    Glaube im Alltag 25./26. Juli 2020

    Wir leben seit einigen Wochen in einer neuen, anderen Zeit. Irgendwie haben wir uns daran gewöhnt, sehnen uns aber zurück zur alten Gültigkeit. Immer noch werden wir von vielen neuen Nachrichten überrollt, z.B. wie wir uns verhalten sollen oder den nicht gerade erfreulichen Neuigkeiten aus Deutschland und näheren und ferneren Ländern. Eine gewisse Müdigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber allem kann sich einschleichen. Wie können wir aus diesem Dilemma wieder herauskommen?

    Mir fällt der Prophet Elia ein. Er war auch in einer ungemütlichen Lebenssituation. Aushalten wollte er sein Leben so nicht mehr. Müde war er, sehr müde. So legte er sich in der Wüste unter einen Ginsterstrauch und schlief ein. Aber im Leben geht es nicht alles wunschgemäß. Eine Stimme weckte ihn: „Steh auf! Iss und trink, denn du hast einen weiten Weg vor dir“. Elia stand auf, aß und trank und machte sich gestärkt erneut auf den Weg. Lang ist es her und doch so nah.

    „Steh auf“: bewege dich, deine Seele braucht Atem und dein Kreislauf Anregung und

    „iss und trink“: du brauchst Kraft, körperliche Kraft und denke daran: Essen und Trinken ist eine sinnliche Angelegenheit und belebt die Sinne

    und „du hast einen weiten Weg vor dir“: Keiner hat uns versprochen, dass das Leben leicht und ein Spaziergang ist.

    Elia hatte eine neue Kraft-Quelle geschenkt bekommen. Gott blieb in seiner Nähe und begleitete ihn weiter. Nachdem DU aufgestanden bist und gegessen und getrunken hast, also gestärkt bist, ist Bewegung ein gutes Mittel, um dem müden Beharren zu entkommen. In dieser seltsamen Zeit ist Gott gewiss mit auf DEINEM Weg und wird DICH begleiten.

    Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche.

    Rainer Marmann, evangelischer Christ

    1 Könige Kapitel 17-19

  • Glaube im Alltag 18./19. Juli 2020_Monika Hartmann_Mach mal Pause

    Mach mal Pause!

    Glaube im Alltag 18./19. Juli 2020

    In der Schule schrillt nicht ohne Grund die Glocke, die die Pause einläutet. Pausen sind gut, um sich zu entspannen und um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Das Corona Virus hat uns viele Pausen beschert. Pausen, die aber niemand von uns so richtig akzeptieren wollte, weil sie uns fremd waren. Was sollten wir mit der zu viel freien Zeit anfangen?  Wir mussten uns erst einmal daran gewöhnen.  Mehr Zeit für uns, für die Familie, aber auch eine neue Sicht auf die Dinge hatten nun Priorität: Die freie Zeit genießen, bei schönen Wetter im Garten sein, die Vögel beobachten, die Stille und den Duft der Blumen aufsaugen und damit dem Virus trotzen. Von Entspannung pur konnte dennoch keine Rede sein, weil wir nicht wussten, wie mit der Pandemie umzugehen ist. Mittlerweile haben wir gelernt, das Virus mit bestimmten Regeln in unseren Alltag zu integrieren. Das entspannt.

    Jetzt sind Ferien und Urlaub ist angesagt. Die Seele einfach baumeln lassen, nichts tun und unseren Gedanken freien Lauf lassen. Am Tag einmal eine Pause einbauen. Gemütlich einen Kaffee oder Tee trinken, ein Eis essen oder ein Gespräch mit den Nachbarn führen. Sich Zeit lassen zur Entschleunigung. Denn das lehrt uns die Coronazeit, achtsamer mit sich selbst und der Schöpfung umzugehen.

    Schön wäre es, wenn wir diese Zeit hinüber retten in die Zeit nach dem Urlaub und nach Corona in unser alltägliches Leben. Jesus hat auch immer wieder Pausen gemacht, um sich neu auf Gott auszurichten. Und Gott hat uns in seiner Schöpfung einen Ruhetag geschenkt. Wir Christen bezeichnen diesen Tag als den Sonntag, den Tag des HERRN.

    Gönnen wir uns eine Pause nicht nur einmal pro Woche, sondern mitten am Tag! Ich wünsche allen eine erholsame Ferien- und Urlaubszeit mit vielen Pausen.

    Monika Hartmann, Pastoralreferentin und Seelsorgerin im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich

  • Glaube im Alltag 11./12. Juli 2020_Manfred Walter_ Lebe jeden Tag

    Lebe jeden Tag

    Glaube im Alltag 11./12. Juli 2020   

    Es ist wieder Sommerzeit, Ferien, Urlaubszeit. Sie ist besonders dieses Jahr verbunden mit vielen Wünschen, sich nach der bisherigen Corona-Pandemie entspannen und erholen zu können. Viele verreisen in Deutschland oder bleiben daheim. Vielleicht können sie neu entdecken, dass Urlaub auch im eigenen Land oder zu Hause schön sein kann. Wichtig ist es, Zeit zu haben für das, was einem Freude macht, sich mit anderen zu treffen oder einfach mal in den Himmel zu schauen. Es kann wunderbar sein, sich an der Sonne und den Schönwetter- Wolken zu freuen, das erfrischende Wasser beim Schwimmen zu spüren, dem Gezwitscher der Vögel zu lauschen oder den Lavendel-Duft zu riechen. All das ist nicht selbstverständlich. Eine Geschichte erzählt von Fischen, die sich fragten, wie das Wasser aussehe, von dem ihr Leben abhinge. Sie wollten deshalb das Wasser verlassen. Da merkten sie aber, dass sie nicht mehr atmen konnten. Schnell kehrten sie ins Wasser zurück und sagten zueinander: Jetzt haben wir erst erkannt, wie wichtig das Wasser für uns ist. Sonst könnten wir nicht leben. So ist es auch nicht selbstverständlich, dass wir diesen Tag heute erleben. Wir können uns auch wieder daran freuen, im Freibad zu schwimmen, uns mit anderen zu treffen und in einem Restaurant zu essen. Denn all das war zu Beginn der Corona-Krise nicht möglich und ist es auch jetzt nur mit Einschränkungen. Umso dankbarer können wir für alles sein, auch Gott, der uns das Leben schenkt. Er ist in seiner Schöpfung und den Mitmenschen spürbar. Alles ist in Gott geborgen, so wie in der Geschichte die Fische im Wasser. Im Urlaub haben wir mehr Zeit, uns auf Wichtiges zu besinnen. Ignatius von Loyola lädt uns ein, tiefer zu sehen, Gottes Nähe in frohen und schweren Zeiten und sein Wirken in unserem Leben zu erfahren. Gott kann uns stärken und Halt geben. In einem Gebet von C. Spilling-Nöker heißt es: Gott sei mit Dir beim Anbruch eines neuen Morgens, dass Du gespannt und erwartungsvoll dem entgegenblickst, was dieser Tag abverlangt und was er Dir schenken will.

    Manfred Walter, Pastoralreferent in Altersteilzeit, Wittlich

  • Glaube im Alltag 04./05. Juli 2020_Monika Bauer-Stutz_ Lachen ist gesund

    Lachen ist gesund

    Glaube im Alltag 04./05. Juli 2020

    Es war die Nachricht des Tages: Vor fast einem Jahr bekam die dänische Ministerpräsidentin während einer Haushaltsdebatte einen Lachkrampf, der kurzzeitig die Sitzung unterbrach. Mette Frederiksen musste dem Parlament erklären, warum die Regierung für viel Geld nicht nur die vier letzten Zirkuselefanten Dänemarks gekauft hatte, sondern auch ein Kamel. Die Elefantenkuh Ramboline hat nämlich einen Freund. Das Kamel Ali. Seit fast 10 Jahren sind die beiden unzertrennlich, und sie jetzt zu trennen schien nicht ratsam. 

    Frederiksen stand also am Rednerpult und schilderte den Sachverhalt. Offensichtlich wurde ihr die Komik dieser Tier-Liebes-beziehung bewusst, und sie konnte nicht mehr an sich halten. Ihr Lachen war so mitreißend, dass sich das gesamte Parlament davon anstecken ließ. Eine gesunde Ansteckung.

    Es kann befreiend sein, in ernüchternden Situationen das Komische zu entdecken, im bierernsten Gerede das Abwegige oder im aufplusternden Gehabe die Lächerlichkeit. Humor deckt auf und zeigt, wie es um uns Menschen wirklich steht. Er hilft gelassen zu bleiben und die Dinge zu relativieren. Ohne Humor verzweifeln wir an uns selbst und an unseren Mitmenschen. Manchmal ist es reiner Galgenhumor, aber auch er hilft gelegentlich, das Leben zu ertragen.

    Gerade in dieser keineswegs witzigen Corona-Zeit oder in der bistumsinternen Ernüchterungs-Zeit gilt es, sich eine heitere Gelassenheit zu bewahren.

    Humor ist eine wertvolle Ressource, die unsere Selbstheilungskräfte stärkt und die Hoffnung aufrechterhält.

    Humor kann aus einem Tag einen guten Tag, aus einer Begegnung eine gelungene oder aus einer Tätigkeit eine sinnstiftende machen.

    „Lachen ist gesund.“ und „Lachen ist die beste Medizin.“ Was brauchen wir in diesen verrückten Zeiten nötiger?

    Bleiben Sie gesund!

     

    Monika Bauer-Stutz

    Pfarreiengemeinschaft Bernkastel-Kues

     

  • Glaube im Alltag 27./28. Juni 2020 _ Uschi Fusenig _ ... in Liebe den Frieden leben

    …in Liebe den Frieden leben

    Glaube im Alltag 27./28. Juni 2020

    Während der Friedensbewegung in den 8oer Jahren des vergangenen Jahrhunderts erhoben die Menschen ihre Stimmen gegen den Krieg und für den Frieden; mal lauter bei Demonstrationen oder Friedensmärschen oder stiller im Gebet, in Gottesdiensten und Andachten. Ein Bild hat sich seit dieser Zeit in meinen Erinnerungen fest verankert: Ich sehe bewaffnete Soldaten in einer Reihe stehen, sie sperren bei einer Demonstration einen Sicherheitsbereich ab. Einige Frauen gehen zu ihnen hin und stecken Blumen in die Öffnungen der Gewehre. Die Soldaten lassen dies geschehen, ein Lächeln huscht über ihr Gesicht als hätten diese Blumen des Friedens bereits angefangen zu wirken- wie ein Zauber, der sich allmählich ausbreitet und Veränderungen mit sich bringt.

    Veränderungen bedürfen überzeugter Menschen, die sie in Bewegung bringen und auch in Bewegung erhalten. Wir brauchen Menschen, die erkennen, dass Gottes Weg der des Friedens ist, verbunden mit vielen Konsequenzen für den Einzelnen und die Gesellschaft. Es liegt nun an unserem Denken, an unserer Geduld und Hoffnung, alles zu tun was dem Frieden dienen kann. Denn in einem Leben, das davon getragen wird, wird Gottes Friedensreich vorweg genommen; so als wäre es schon angebrochen und wir selbst sind mitten drinnen! In diesem Reich herrscht Frieden zwischen den Völkern und den Menschen unterschiedlicher Religionen, Hautfarben, Herkunft und allem was Menschen nur trennen kann und schließlich zu Feinden macht. Es ist dann unser Handeln, das aus diesem Denken erwächst, alles zu tun was dem Frieden dient;  reichen wir einander die Hände, suchen Kompromisse, ächten Gewalt, machen den ersten Schritt, sprechen das versöhnende Wort, verwirklichen das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. Und besonders in diesen schwierigen Zeiten nehmen wir Rücksicht und achten das Wohl der anderen und verzichten eine Zeit lang auf alles, was dem Gemeinwohl schaden könnte.

    Wir Christinnen und Christen können in Liebe den Frieden leben, trotz aller Erfahrungen des Hasses und der Zwietracht, trotz der gegenwärtigen Einschränkungen und damit verbundenen Schwierigkeiten. Wir können in Liebe den Frieden leben, denn wir haben Gottes Verheißung, dass sich Glaube, Liebe und Hoffnung in Ewigkeit durchsetzen.

    Uschi Fusenig

    Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde Bernkastel-Kues, Schulseelsorgerin an der Freiherr-vom-Stein-Realschule plus

     

     

  • Glaube im Alltag 20./21. Juni 2020 _ Konstanze Petry _ Fürchtet euch nicht!

    Fürchtet euch nicht!

    Glaube im Alltag 20./21. Juni 2020

    „Fürchtet euch nicht!“

    Diesen Satz sagt Jesus im Evangelium dieses Sonntags. Er sagt es direkt dreimal, damit seine Apostel nicht den Mut verlieren.

    Vermutlich blieb ich aufgrund meiner privaten Situation der letzten vier Monate direkt an diesem Satz hängen.

    Im Februar kam unser Sohn in der 24. Schwangerschaftswoche viel zu früh zur Welt. Seine Chancen standen schlecht und er war in dieser Zeit dem Tod oft näher als dem Leben. Es versteht sich von selbst, dass ich unendlich große Angst hatte.

    Auch ich hatte aber komischerweise genau diesen Satz im Kopf, als der Kleine ums Überleben kämpfte: „Fürchtet euch nicht! Ihr seid von Gottes Fürsorge getragen. Egal was geschieht, er ist bei euch!“ Das gab mir Kraft.

    Ich war zudem unendlich dankbar für Menschen, die nicht schwiegen, sondern den Mut hatten uns ebenfalls zu sagen: „Fürchtet euch nicht! Gott ist bei euch und hat euch im Blick!“, wenn ich die Kraft dazu nicht mehr hatte, an allem zweifelte und die Angst vorherrschte. Denn ein solcher Zuspruch ist Balsam für eine verängstigte und furchtsame Seele. Daher hörte ich es gern, auch dreimal, bis es endlich bei mir ankam. Denn es tröstet, ermutigt, stärkt und lässt einen über sich hinaus wachsen und die Angst vergessen. Ohne diesen Zuspruch von Jesus und vielen anderen Menschen und das Vertrauen auf Gott hätte ich meine Angst nicht besiegen und nicht nach vorne schauen können.

    Auch Jesus weiß, dass es viele Ängste auf der Welt gibt und macht uns somit immer wieder Mut, so wie im Evangelium.

    So kann auch ich jedem, der Angst hat und mutlos ist, während wir das Krankenhaus nach vier Monaten mit einem lebenden Kind verlassen, aus eigener Erfahrung sagen und Mut machen:

    Fürchte dich nicht! Hab keine Angst! Du bist in Gottes Hand, was auch geschieht!

     

    Konstanze Petry, Oberstudienrätin an der IGS Salmtal

     

     

     

  • Glaube im Alltag 13./14. Juni 2020 _ Jan Lehmann _ Tisch-Gemeinschaft

    Fronleichnam

    Glaube im Alltag 13./14. Juni 2020

    Beziehungen und Zusammensein können auch anstrengend werden. Das werden alle in Familien und festen Beziehungen besser wissen, als ich. „Nerv mich nicht!“ oder „Lass mich in Ruhe!“ sind Sätze, die von Kindern und Erwachsenen zu hören sind.

    Auch für eine Gesellschaft kann Zusammenleben anstrengend und riskant sein. Mir ist das durch ein Buch von Aladin El-Mafaalani deutlich geworden. Der Name des Autors weist schon auf die Migrationsgeschichte dieses Mannes hin. Und das ist auch sein großes Thema. Er ist Wissenschaftler und Professor in Osnabrück.

    Aladain El-Mafaalani beschreibt Gesellschaften als einen Raum voller Menschen. In der Mitte des Raumes steht ein Tisch. An diesem Tisch sitzen Menschen, die es geschafft einen Sitzplatz zu bekommen. Sie sind in der Mitte der Gesellschaft angekommen und geben den Ton an. Um den Tisch herum sitzen auf dem Boden alle anderen Menschen, die keinen Platz am Tisch finden: Ausländer, Alleinerziehende, Kinder oder People of color. Ziel für eine gesunde Gesellschaft ist es, dass diese Menschen einen Platz am Tisch finden. Das ist in den letzten Jahrzehnten in unserem Land für einige Menschen gelungen. Am Tisch sitzen mittlerweile Frauen, Homosexuelle oder Professoren mit Migrationshintergrund.

    Immer wenn Menschen vom Boden aufstehen und sich an den Tisch setzen, führt das zu Veränderung. Neue Gedanken für ein gelingendes Miteinander kommen auf den Tisch, es wird gestritten und diskutiert. Diese Tisch-Gemeinschaft bedeutet nicht Gleichmacherei und ist weit entfernt von Harmonie. Um das auszuhalten braucht es Respekt füreinander, den festen Willen allen Menschen einen Tischplatz zu geben und eine Liebe, die mehr gibt als sie nehmen kann. Diese Eigenschaften vertritt auch Jesus von Nazareth. An Fronleichnam erinnern wir uns daran, wie er mit seinen Freundinnen das letzte Abendmahl feiert. Gemeinsam sitzen sie am Tisch, an dem Jesus von seinem größten Traum erzählt für den er alles gibt: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe!“

    Jan Lehmann, Jugendpfarrer

  • Glaube im Alltag 06./07. Juni 2020 _ Wolfram Viertelhaus _ Heilige Geistin

    Heilige Geistin – die weibliche Seite Gottes

    Glaube im Alltag 06./07. Juni 2020

    Bei Renovierungsarbeiten in der St. Jakobus-Kirche in Urschalling/Chiemgau, wurde die hier abgebildete Freskodarstellung der Dreifaltigkeit Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) von 1390 entdeckt. Auf der rechten Seite steht ein weißhaariger Greis mit Bart. Auf der linken Seite eine Gestalt mittleren Alters. In der Mitte ist die jüngste Person zu entdecken mit weichem Gesicht. Die langen Haare fallen über die beiden Schultern und das bräunlich lange Kleid ist unter der Brust zusammengerafft. Unter einem weiten Halsausschnitt werden Brüste sichtbar. Auf faszinierende Art versucht der Künstler, den dreifaltigen Gott darzustellen. Die Einheit Gottes wird durch die Zusammenführung in einem Körper hervorgehoben. Die Dreiheit der Personen wird in den Häuptern zur Einheit durch den je einen hellen Strahl in jedem Heiligenschein. In der Mitte eindeutig eine Frau: Heilige Geistin - die weibliche Seite Gottes! Im Hebräischen und Griechischen sind die Worte für „Geist“ – „Ruach“ und „Pneuma“ - weiblich.

    Von Gott können wir nur in menschlichen Bildern und Symbolen sprechen. Unsere Gottesvorstellungen ändern sich, da sie zeit- und kulturgebunden sind. Aus den Schöpfungserzählungen entnehmen wir, dass Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat. Unsere Geschlechtlichkeit ist eines unserer Wesensmerkmale. Außerdem ist es nicht gut, dass der Mensch allein ist. Wir sind auf den Mitmenschen, auf Kommunikation, auf Gemeinschaft hin angelegt. Also können wir uns auch Gott nicht als etwas einsames, nur auf sich bezogenes vorstellen. Die Vorstellung von der Dreifaltigkeit hilft, sich Gott in Bezogenheit, in Kommunikation zu denken. Wenn die Liebesbeziehung zwischen Gottvater und seinem Sohn Jesus sich im Heiligen Geist ausdrückt, weshalb soll dann der Heilige Geist nicht als Frau, als das Weiblich-Göttliche symbolisiert werden? Dieses Fresko eines mittelalterlichen Künstlers kann unser Denken von Einengungen durch dogmatische Formeln befreien.

    Wolfram Viertelhaus, Förderverein Autobahnkirche St. Paul Wittlich

  • Glaube im Alltag 30./31. Mai 2020 _ Paul Plehacz _ Der Geist weht, wo er will

    Die Pfingsttaube – oder der Geist weht, wo er will

    Glaube im Alltag 30./31. Mai 2020

    Im Vergleich zu Weihnachten und Ostern sind an Pfingsten die Geschenke am geringsten. Obwohl Jesus den sich verlassen und verwaist fühlenden Jüngern ein besonderes Geschenk ankündigt, den Hl. Geist. Für die Jünger wird er bei dem Pfingstereignis nicht nur sichtbar, er treibt sie an, ihre neuen Erkenntnisse und Fähigkeiten direkt der erstaunten Öffentlichkeit zu verkünden.  Für uns normal Sterbliche ist er oft wenig greifbar, er lässt sich nicht festhalten, beschwören oder digitalisieren. Zu allen Zeiten trieb Menschen das Problem um, diesen Geist greif-und spürbar zu machen oder sich von ihm finden zu lassen. Vor allem im Barock versuchte man den Geist in Form der Taube nahezubringen, die nach der Taufgeschichte bei Lukas in auf Jesus herabkommt und ihn als Sohn Gottes bestätigt.  Um dieses Geschehen vorstellbar werden zu lassen, ließ man entweder lebendige Tauben in der Kirche herumfliegen oder man ließ eine hölzerne Taube aus einer Öffnung in der Decke, dem „Hl.-Geistloch“, herunter. Einem sizilianischen Pfarrer war das nicht eindrucksvoll genug. Er versteckte eine dressierte weiße Taube hinter dem Altar. Der Küster sollte sie dann während des Evangeliums freilassen. Das Spannende daran war, bei wem würde die Taube sich auf die Schulter setzen. Im Laufe der Zeit hatte sie sich den überheblichen Lehrer, den reichen geizigen Grafen und den korrupten Leiter des Armenhauses ausgesucht. Anschließend hatte der Lehrer ein für alle Kinder verständliches Lehrbuch geschrieben, der Graf hatte eine neue Wasserleitung bauen lassen und der dubiose Armenhausleiter hatte dem Dorf einen neuen Dorf- und Spielplatz gespendet. Die Gaben, die der Hl. Geist der Gemeinde hinterlassen hatte, konnten sich durchaus sehen lassen. Nach einiger Zeit aber verstarb der alte Pfarrer und sein Nachfolger, ein noch junger und solchen Bräuchen gegenüber skeptischer Mann, wollte diesen Brauch abschaffen. Dazu ließ er alle Türen und Fenster der Kirche öffnen in der Hoffnung, dass die Taube ihrem Freiheitsdrang folgend, die Kirche verlassen würde. Gespannt warteten die Besucher. Doch die Taube ignorierte die offenen Fenster und Türen, flog drei Runden über die Köpfe und ließ sich dann seelenruhig auf der Schulter des jungen Geistlichen nieder. Dem war das sichtlich peinlich, aber seine neue Gemeinde war begeistert und applaudierte. So kann es gehen, wenn man dem Hl. Geist zu wenig zutrauen. Was wäre, wenn die Taube sich auf unserer Schulter niederlassen würde? In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine richtungweisende Taube, die zeigt, wo Gottes Baustellen sind, wo Barmherzigkeit geschieht anstelle von Berechnung und wo die Heiterkeit des Glaubens die ständigen Sorgen, etwas zu verpassen in den Hintergrund drängt.

    Paul Plehacz, Lehrer i. R.

  • Glaube im Alltag 23./24. Mai 2020 _ Armin Surkus-Anzenhofer _ Ein Blick von oben

    Ein Blick von oben

    Glaube im Alltag 23./24. Mai 2020

     

    Unglaublich viele Wanderer zog es am Himmelfahrtstag auf den Marienburger Rundwanderweg. Wer die Marienburg oder den Prinzenkopfturm hoch über der Mosel besucht, erlebt von dort oben eine atemberaubende Aussicht auf die Weinorte ringsum, auf die Moselschleife und auf die Höhen von Eifel und Hunsrück.

    Vielen tut es einfach gut, nach oben zu wandern, eine andere Perspektive, eine andere Sicht einzunehmen. „Wenn ich von der Marienburg hinunterschaue, dann kommen mir manche Fragen, Konflikte und Probleme kleiner vor“, bekennt ein Freund der Marienburg. „Mein Blick weitet sich, ich werde gelassener“, sagt eine, die öfter die Aussicht genießt. Wie von selbst kommen auch mir Gedanken, wenn ich von der Marienburg ins Umland schaue: „Was beschäftigt die Menschen dort unten wohl gerade?“, „Es sieht so friedlich aus, aber welche Sorgen, Nöte, Krankheiten, Ängste sind hinter den Häusermauern?“, „Ob dort unten auch jemand an Corona erkrankt ist?“ Ein Gefühl von Verbundenheit stellt sich ein von hier oben aus, ein Blick für das Wesentliche, eine neue Nähe.

    Ähnlich wird es Jesus bei seiner Himmelfahrt ergangen sein, bei seinem Blick „von oben“. Viele künstlerische Himmelfahrts-Darstellungen zeigen Jesus, wie er nicht entrückt nach oben, sondern geradewegs auf uns Menschen blickt: „Was wird aus meinen Lieben?“, „Wie kann ich ihnen weiterhin nah sein?“ Solche Fragen werden ihm gekommen sein, aber auch eine unglaubliche Weite und eine intensive Nähe. Sein Blick berührt mich bis heute.

    Der Blick von der Marienburg, der Blick Jesu, beide „Himmelfahrtsblicke“ weiten meinen Blick. Der Blick geht auf die Menschen. Und dieser Blick schafft eine neue Nähe. Der Blick fragt: Wie geht es Dir? Was trägt und was quält Dich? Was brauchst Du? Was freut und was sorgt Dich? Ein Stück vom Himmel steckt allein in diesem Blick.

     

    Armin Surkus-Anzenhofer, Bausendorf,

    Pastoralreferent Dekanat Wittlich und FachstellePlus Marienburg.

  • Glaube im Alltag 16./17. Mai 2020 _ Paul Plehacz _ Überleben mit- statt gegeneinander

     

    Überleben mit- statt gegeneinander

    Glaube im Alltag 16./17. Mai 2020

     

    Masken, die in Asien zum normalen Straßenbild gehören, kommen uns immer noch fremd vor, obwohl sie uns gegenseitig, vor allem aber Risikogruppen, also Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen schützen sollen. Es geht dabei auch um Werte wie Rücksichtnahme, Verbundenheit und Solidarität. Für manche wie z. B. den OB von Tübingen, der über Achtzigjährige  aus den Intensivstationen verbannen will, ist dies nicht mehr selbstverständlich; denn der Wert eines Menschenlebens wird von Kapazitätsproblemen und gesundheitlichen Faktoren abhängig gemacht. Dabei zeigt das simple Beispiel eines Geldscheins doch, dass er seinen Wert behält, auch wenn er alt, eingerissen und verschlissen ist. Um wie viel mehr müsste das für Menschen gelten! Die folgende indianische Realgeschichte, die im Norden Alaskas spielt, könnte einen Perspektivwechsel ermöglichen: Ein vom Hunger- und Kältetod bedrohter Stamm beschließt, mit allen noch gehfähigen Mitgliedern aufzubrechen, um neue Jagdgründe zu suchen. Die Alten und Kranken lässt man zurück, sie sollen geduldig auf ihr Ende warten. Auf sich allein gestellt, tun diese sich jedoch zusammen und werden aktiv. Sie erinnern sich wieder an längst vergessene Überlebenstechniken und gehen sogar auf die Jagd. Mit der Zeit gelingt es ihnen immer besser, kleinere Tiere und Fische zu fangen, dass sie sogar beachtliche Vorräte anlegen können. Ihr Hauptstamm hat jedoch kein Glück, ein kleiner Teil kehrt entmutigt und halb verhungert zurück. Einige der Zurückgelassenen protestieren dagegen, doch die älteste überzeugt sie: „Wenn wir sterben, nehmen wir nichts von dem mit, was wir gehortet haben, aber alles, was wir gegeben haben.“ Biblisch kurz heißt das: Geben ist seliger denn Nehmen. Der kanadische Premier Trudeau brachte es bei der Geberkonferenz auf den Punkt: „Wenn ein Sturm kommt, wollen sich Menschen zusammen mit ihrer Familie und ihren Freunden wegducken, bis es vorbei ist. Aber wir können uns nicht isolieren.Wir können nicht hoffen, dass es anderen gut geht, während wir uns um uns selber kümmern. Wir müssen uns um uns selber kümmern und um den Rest der Welt.“

     

    Paul Plehacz, Lehrer i. R.

  • Glaube im Alltag 09./10. Mai 2020 _ Br. Stephan Reimund Senge _ Funkverkehr

    FUNKVERKEHR

    Glaube im Alltag 09./10. Mai 2020

     

    Ich hab da ein schmales Buch vor mir liegen vom verstorbenen Bischof von Innsbruck, Reinhold Stecher, ein Buch wie viele seiner Veröffentlichungen mit Texten, Aquarellen, Karikaturen und Betrachtungen zum Schmunzeln und Nachdenken. Auf der linken Buchseite ein Bischof mit Stab, den er herausfordernd in die Höhe hält. Darunter: „Falsch: Marschallstab Gottes“, auf der anderen Seite der Bischofsstab als Antenne mit Drähten und Leitungen, der Inhaber sitzt nachdenklich an einem Tisch, darunter: “Richtig: Antenne für den Funkverkehr mit dem Heiligen Geist.“

    Ach, das könnte ein treffendes Motto für jeden im Raum Kirche sein, der Autorität beansprucht, gleichzeitig ein Leitspruch für das Pfingstfest. Kirche, Gemeinde ist dort, wo ein intensiver „Funkverkehr“ mit dem Heiligen Geist besteht. Wo Macht und Herrschaft eine Rolle spielen, ist der Funkverkehr unterbrochen, und eine Folge: Abkehr von der Kirche.

    Jesus verdeutlicht es: “Lasst Euch nicht verwirren“, auch trotz Corona und den damit verbundenen Heimsuchungen und Nöten. „Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ Glauben heißt wörtlich „für lieb halten, sich anvertrauen, „credere“, lateinisch für Glauben, bedeutet „das Herz geben.“

    Kirche, Gemeinden, kirchliches Leben also kein System von Anordnungen mit Geboten und Verboten, vielmehr ein Weckruf des Heiligen Geistes, uns nicht verwirren zu lassen, dem Auferstandenen uns anzuvertrauen mit ganzem Herzen und mit und dem Nächsten gegenüber uns ähnlich zu verhalten.

    Ach, und das Schönste: “Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.“, keine Fata Morgana, etwa: “Im Himmel wird alles wieder gut!“ Nein, der österliche Herr schenkt uns eine lebendigmachende Perspektive, und die Menschen um uns erwarten unser Lebendigmachen und Ermutigen.

     

    Br. Stephan Reimund Senge, Himmerod

      

  • Glaube im Alltag 02./03. Mai 2020 _ Christiane Friedrich _ Alle sollen Arbeit haben

    Alle sollen Arbeit haben

    Glaube im Alltag 02./03. Mai 2020

     

    Gestern war der Tag der Arbeit und letzte Woche starb Norbert Blüm, ehem. Bundesarbeitsminister und soziales Gewissen seiner Partei.

    Meine persönliche Erinnerung: in meiner Ausbildungszeit wohnte ich in Bonn in einem Zimmer, 12m2 mit Waschbecken, Klo auf der Treppe, in einem Altbau zwei Häuser neben Blüms, samstagsmorgens auf meinem Weg zur Telefonzelle sah ich schon mal Nobi Blüm mit einer Brötchentüte - ein normal gebliebener Bundesminister.

    Im Alter stellt er sich der Kritik seiner Enkelin: was seine Generation getan habe für ihre Zukunft einer nachhaltigen Wirtschaft? Norbert Blüm macht sich ein Jahr lang auf den Weg durch die Bundesrepublik, um zukunftsfähige Antworten zu finden: trifft junge Menschen, die weggeworfene Lebensmittel retten, im Teilen den Schlüssel für zukünftiges Wirtschaften sehen; Architekten, die nachhaltige Gebäude errichten; Konzernchefs und Börsenmakler, für die Gewinnmaximierung Wirtschaftserfolg ist; Millionäre, die kaum Vermögenssteuer zahlen. In der 2015 erschienenen Dokumentation blickt Blüm selbstkritisch zurück: Als Kriegskind trieb ihn an, dass alle Arbeit haben und eigenverantwortlich in Wohlstand leben können. Mit der staatlichen Pflegeversicherung wollte er verhindern, dass Menschen, die ein Leben lang gearbeitet hatten, in Alter und Krankheit arm werden. Sozial-gerecht in Frieden und Wohlstand leben war sein Thema, zu wenig berücksichtigt die ökologischen und globalen Folgen.

    Was Norbert Blüm zum gerade jetzt diskutierten Grundeinkommen gesagt hätte? Als Theologe wäre er wohl für die Sicherung des Existenzminimums wie im Gleichnis der Arbeiter im Weinberg; als Realpolitiker für die Eigenverantwortung der Bürger und dass Geld und Arbeit nicht entkoppelt werden. Aufgeschlossen für neue Ideen würde er streitbar und humorvoll mit dazu beitragen, dass zukünftiges Wirtschaften sozial-gerecht und nachhaltig sei.

    Der Bundesarbeitsminister Nobert Blüm mit der Brötchentüte und einem fröhlichen „Guten Morgen“ ist mir in guter Erinnerung.

     

    Christiane Friedrich,

    Pastoralreferentin im Dekanat Wittlich

      

  • Glaube im Alltag 25./26. April 2020 _ Thomas Pesch _ Maria breit den Mantel aus

    Maria breit den Mantel aus

    Glaube im Alltag 25./26. April 2020

     

    Nur noch wenige Tage und der Mai bricht an. Draußen grünt und blüht es, Tag für Tag wird es wärmer. Auch, wenn in diesem Jahr vieles ganz anders ist, so spüren wir auch in diesem Mai, dass wir uns auf den Sommer zu bewegen. Traditionell ist der Mai ein Monat, der besonders der Mutter Jesu´, Maria, gewidmet ist. In vielen Kirchen und Wohnräumen finden sich geschmückte Maialtäre und wir dürfen aus voller Kehle Marienlieder singen. Mir gibt der Gedanke an Maria immer ein wohliges Gefühl. Ich fühle mich geborgen, wenn ich mich, meine Familie und Freunde der Fürsprache der Gottesmutter anvertraue. Maria hat viel erlebt. Von der Überraschung ihrer Schwangerschaft, den Sorgen und Freuden als Erziehungsberechtigte, der – sicherlich manchmal – Verwunderung über die Entwicklung ihres Sohnes, bis hin zur Trauer bei seinem Tod am Kreuz. Freuden und Sorgen, wie sie uns nicht fremd sind. Sei es, ob wir uns mit Familienangehörigen, Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen freuen, mit ihnen bangen, oder mit ihnen trauern. Für mich gibt Maria den biblischen Erzählungen und Berichten ein zutiefst menschliches Gesicht. Ich kann nachvollziehen, was sie und ihr Mann Josef wohl gefühlt und gedacht haben. Für mich sind die beiden unsere Stellvertreter in dieser einzigartigen Geschichte. Aus diesem Grund freue ich mich auch, dass Maria gerade im Mai besonders gefeiert und verehrt wird. Vor Jahren habe ich auf der Durchreise nach Santiago de Compostela in Lourdes Station gemacht. Der Kommerz und der Trubel haben mich befremdet. Bei der abendlichen Lichterprozession habe ich dann aber gespürt, wie Menschen unterschiedlicher Herkunft, jeden Alters und mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten Gemeinschaft erlebt haben. Dieser Abend war Wellness für die Seele. Ein rundum gutes Gefühl. Versuchen wir in diesem Mai den Schutz und die Geborgenheit zu erspüren, die Maria zugesprochen und von ihr erbeten werden, versuchen wir in diesem Mai, dafür zu sorgen, dass es uns und anderen gut geht.

     

    Thomas Pesch, stellv Pflegedirektor im Verbundkrankenhaus Bernkastel-Wittlich
    u Ehrenamtlicher in der Jugendarbeit

      

  • Glaube im Alltag 18./19. April 2020 _ Bruno Comes _ Fingerspitzengefühl

    Fingerspitzengefühl

    Glaube im Alltag 18./19. April

     

    Hinter uns liegt ein wegen der Umstände besonderes, seltsames, ja irritierendes Osterfest.

    Irritierend: Es trifft sicher zu, dass man das erste Ostern wohl ebenfalls äußerst irritierend nennen darf! Jesus: Mit seiner Botschaft der bedingungslosen Liebe scheinbar gescheitert und am Kreuz gestorben. Und dann: wie unbegreiflich:

    Am Ostertag ist er auf neue, gewandelte Weise lebendig! „Zu unglaublich“ mögen Menschen der verschiedenen Zeiten denken. Auch ein Freund Jesu namens Thomas denkt genauso! Er war am Ostertag selbst nicht dabei, als Jesus den anderen Jüngern erscheint. Als er deren Botschaft hört, ist er innerlich verletzt und er zweifelt. Wenn Jesus denn wirklich lebt, dann will er die Wundmale sehen und mehr noch: fühlen. Er will den Finger in die Wunde seines eigenen Nicht-Glauben-Könnens legen!

    Und es geschieht: Jesus offenbart sich ihm! Nicht vorwurfsvoll, im Gegenteil: mit Fingerspitzengefühl!

    Jesus nimmt Thomas mit all seinen Zweifeln ernst und er lässt ihn sehen und sogar seine Wunden berühren! „Mein Herr und mein Gott“ so spricht Thomas das für ihn unfassbare aus, wie wir im Evangelium des heutigen Weißen Sonntags lesen.

    Mir kommt der Gedanke: Das ist es, was wir in der Irritation besonders nötig haben: Jesu Fingerspitzengefühl!

    Und das, was ich im Folgenden als Beispiele nenne, brauchen wir selber UND andere!

    Fingerspitzengefühl ist angesagt,

    • um miteinander und gegenseitig rücksichtsvoll und aufmerksam umzugehen.
    • um denen, die Angst haben, Mut machen zu können.
    • um denen, die allein oder traurig sind, Aufmerksamkeit zu schenken.
    • um denen, die sich schwertun, Verständnis entgegen zu bringen.
    • um denen, die heute gerne ein Fest Erstkommunion gefeiert hätten, trotzdem einen alternativ schönen Tag zu bereiten.
    • um denen, die zweifeln, etwas an Hoffnung und Glaubenszuversicht zu bringen.
    • um den Blick auf das zu werfen, was im Leben wirklich zählt!

    Ich wünsche uns allen jede Menge Fingerspitzengefühl!

     

    Kooperator Pfarrer Bruno Comes

      

  • Glaube im Alltag 11./12. April 2020 _ Elfriede Klar _ Gedanken zur Auferstehung

    Gedanken zur Auferstehung

    Glaube im Alltag 11./12. April 2020

     

    „Wo ist er nun?“, sagte jemand neben mir nach der Grablegung. Im Moment war ich überfragt und dachte an meinen Enkel, der für sich nach dem Tod seines Opas eine Antwort gefunden hatte: „Jetzt habe ich einen Opa im Himmel.“ Wir Erwachsene tun uns schwer bei der Annahme einer neuen Dimension unseres Seins nach dem Tod, der Verstand steht uns da im Wege und setzt uns Grenzen. Die Kirche tat gut daran, den Auferstehungsgedanken anzuknüpfen an das heidnische Frühlingsfest, das das neu erwachende Leben feierte. Wir brauchen solche „Bilder“, um der Vorstellung der uns verheißenen Unsterblichkeit näher zu kommen. Da gibt es auch die Geschichte von der Blumenzwiebel, die im Dunkel der Erde verharren will und damit beinahe ihr wahres Leben verpasst. Durch Licht und Wärme zum Sich-öffnen gedrängt, kann sie die in ihr angelegten Möglichkeiten doch noch entfalten und das sein, was ihre Bestimmung ist. Auferstehen aus dem Dunkel des Erdendaseins ins ewige Licht bei Gott ist auch unsere Bestimmung. „Steh auf, nimm deine Matte und geh!“ war das von den Frauen in Simbabwe gewählte Thema zum diesjährigen Weltgebetstags im März. Dem Aufruf Jesu wollen sie folgen, aufstehen von der Matte ihrer Probleme und kämpfen gegen Ungerechtigkeit und das daraus erwachsende Elend. Aufstehen, auferstehen „Wo ist er nun?“, sagte jemand- nicht erst nach dem Tod, auch schon jetzt mitten im Alltag das ist die Botschaft von Ostern, auch über das Fest hinaus. Das hat auch Jesus seinen Jüngern in den Begegnungen nach seinem Tod als Hoffnungszeichen hinterlassen und damit die Nähe Gottes in unserem Alltag erfahrbar gemacht. Auch in der zur Zeit beängstigenden Situation durch Covid-19 sind Zeichen des Aufstehens erkennbar in vielen Hilfsangeboten in Sorge umeinander, im Spagat zwischen Abstand halten und Zusammenstehen – Zeichen des Lebens gegen Angst und Tod. Im Geheimnis der Auferstehung können wir Kraft und Zuversicht schöpfen, das Leben zu bestehen und es zu genießen - trotz allem.

     

    Elfriede Klar,

    Lehrerin im Ruhestand

      

  • Glaube im Alltag 04./05. April 2020 _ Petra Jung _ Maria breit den Mantel aus

    Maria breit` den Mantel aus…

    Glaube im Alltag 04./05. April 2020

     

    Meistens sind wir - z.B. in der katholischen Eifel - an den Pestkreuzen und Marienaltärchen vorübergewandert, ohne darin mehr zu sehen als unverständliche Überbleibsel vergangener Zeiten. Menschen früherer Jahrhunderte waren ja oft Gefahren ohnmächtig ausgeliefert, sei es durch die Pest im 30-jährigen Krieg, die Cholera im 19. Jahrhundert oder die anderen unerklärlichen Krankheiten. Schreckliche Tode drohten jungen Männern fast jeder Generation auf dem Schlachtfeld der innereuropäischen Kriege, oder den „Unteren“ einfach durch schreckliche Armut. Diese Bedrohungen begleiteten das Leben fast jeder Generation. Die Menschen, vor allem die sogenannten „einfachen“ Leute, suchten Schutz bei Gott und seinen Heiligen und fanden Halt im Glauben. Ein Kirchenlied aus der frühen Neuzeit an Maria, die Gottesmutter, zeugt davon:

    Maria, breit den Mantel aus,

    mach Schirm und Schild für uns daraus;

    lass uns darunter sicher stehn,

    bis alle Stürm vorüber gehn.

    Patronin voller Güte

    uns allezeit behüte.

    Die Ohnmacht gegenüber dunklen Über-Mächten lässt Menschen wie Kinder werden, die ihren Ängsten wenig entgegenzusetzen haben und sich schutzlos ausgeliefert fühlen. Ängstliche Kinder hängen am Rockzipfel ihrer Mutter.  Im Jahr 1640, als das Lied entstand, suchten Menschen in ähnlicher Weise Zuflucht unter dem Schutzmantel der Madonna. Diese Schutzmantel-Madonnen sind in vielen Versionen verbreitet ein Teil der katholischen Bilderwelt der frühen Neuzeit geworden.

    Die Gläubigen riefen starke innere Bilder auf, die ihnen Zuflucht, Schutz und Sicherheit boten. Heute ist – bei aller Aufgeklärtheit - die Macht der inneren Bilder unbestritten. Affirmationen und Suggestionen in der Psychologie und Meditationspraxis verändern das Leben zum Positiven, weil sie das Selbstbewusstsein, das Selbstvertrauen und den Glauben, dass es weitergeht, stärken. So heißt es dann…

    Dein Mantel ist sehr weit und breit,

    er deckt die ganze Christenheit

    er deckt die weite, weite Welt,

    ist aller Zuflucht und Gezelt.

    Patronin voller Güte

    uns allezeit behüte.

    In Zeiten der Corona-Pandemie wird das allein natürlich nicht genügen.

    Heute sind wir global vernetzt, auf technisch und wissenschaftlich hohem Stand, wir handeln entsprechend mit länderübergreifenden Informationen und Konferenzen, koordinierten Vorgehensweisen und konsequenten Umsetzungen. Doch wir stoßen an Grenzen. Eigentlich macht uns die neue Pandemie – genauso wie der Klimawandel - noch einmal deutlich, dass wir uns zu erfolgreich ausgebreitet haben. Der Ursprung des Virus aus ökologischen Randbereichen und Wildtieren, die die Menschheit nicht in Ruhe gelassen hat, macht deutlich, dass wir der Natur und ihren Regeln weiterhin ausgesetzt sind. Besinnung täte uns gut, nicht statt aktiver Eindämmungs-Maßnahmen und verstärkter Forschung, sondern begleitend -als Rückhalt, als Grundlage. Dazu braucht es Vertrauen in den Zusammenhalt der Menschen und in Gott.

    Dazu sagt ein alter „Experte“, der heilige Ignatius von Loyola:

    „Handle so, als ob alles von dir, nichts von Gott abhinge. Vertraue so auf Gott, als ob alles von Gott, nichts von dir abhinge."

    Ich bin mir sicher, dass glaubende Menschen Schutz und Trost erfahren, wenn sie, nachdem sie alles getan haben, ihre jeweilige Macht und vielleicht auch Ohnmacht voller Vertrauen in die Hand einer höheren guten Macht legen können.

     

    Petra Jung, Pastoralreferentin im Dekanat Wittlich

  • Glaube im Alltag 28./29. März 2020 _ Rainer Martini _ Feingefühl

    Feingefühl

    Glaube im Alltag 28./29. März 2020

     

    Vor einiger Zeit durfte ich miterleben, wie eine Kollegin unseres Caritasverbandes sich in liebevoller Weise um eine von großen Sorgen geplagte ältere Frau kümmerte, die zu uns gekommen war.

    Einfühlsam hörte sie ihr zu, suchte nach Möglichkeiten, ihr in ihrer verzweifelten Situation zu helfen, sprach ihr mit freundlichen Worten Mut zu und nahm sogleich Kontakt zu einer weiteren Kollegin auf, die weiterführende Informationen und Hilfen anbieten konnte.

    Die ältere Dame verließ sicherlich deutlich erleichtert und mit neugewonnener Hoffnung das Caritasgebäude und der Tag erschien ihr sicherlich in einem helleren, freundlicheren Licht.

    So selbstverständlich, wie sich die Caritas-Mitarbeiterin in dieser unvermittelt aufgetretenen Situation verhielt – dies kann, nein, es soll Programm für uns alle sein.

    Sich Menschen zuwenden, zuhören und „Not sehen und handeln“, so wie es vor vielen Jahren ein Caritas-Jahresmotto treffend auf den Punkt brachte - dies ist die Aufgabe, die sich uns Christen im Alltag täglich stellt. Die individuelle Lebenssituation und das Verhalten verstehen, nicht urteilen und verurteilen, sondern Jeden so annehmen und respektieren,  wie sie oder er ist – dies gehört untrennbar dazu, denn wir wissen nicht, warum Menschen so sind, wie sie sind, wir kennen ihre Lebensgeschichte nicht, die sie geprägt hat. In Zeiten, in denen der Umgangston immer härter zu werden scheint, in denen das Übereinander-Reden statt dem Miteinander-Reden immer häufiger zu beobachten ist und sehr schnell vorverurteilt wird, ohne Hintergründe zu kennen – in diesen Zeiten ist es umso wichtiger, wieder mehr Feingefühl für den Anderen zu entwickeln  und  wirkliche, aus dem Herzen kommende Zuwendung erlebbar zu machen. Genau das macht unseren christlichen Glauben aus und bietet ein ganz einfaches Gerüst unseres Handelns – nicht nur für Caritas-Mitarbeitende, sondern für jeden für uns an jedem Tag....

     

    Rainer Martini

    Caritasverband Mosel-Eifel-Hunsrück e.V.

      

  • Glaube im Alltag 21./22. März 2020 _ Uschi Fusenig _ Gott liebt diese Welt

    Gott liebt diese Welt

    Glaube im Alltag 21./22. März

     

    „Gott liebt diese Welt, und wir sind sein Eigen. Wohin er uns stellt, sollen wir es zeigen.“

    Jetzt gerade kommt es darauf an, dass jede und jeder im eigenen Lebensbereich alles unternimmt, um Schaden von sich und seinen Mitmenschen abzuwenden. Damit dieses gelingen kann, heißt es vor allen Dingen mit Rücksichtnahme und Nächstenliebe zu handeln, immer auch den eigenen Blickwinkel nach allen Seiten zu öffnen und bereit zu sein im christlichen Sinne Entscheidungen zu treffen. Manche werden unangenehm sein und uns viel abverlangen, aber wir haben ein gemeinsames Ziel und daran sollten wir uns orientieren.

    „Gott liebt diese Welt, ihre Dunkelheiten, hat er selbst erhellt: im Zenit der Zeiten, kam sein Sohn zur Welt.“

    Wenn der Himmel in seinem schönsten Blau erstrahlt und die Sonne scheint, wir die wärmenden Streicheleinheiten auf unserer Haut fühlen dürfen, dann spüren wir etwas davon ein Teil eines großen Ganzen zu sein- ein Teil von Gottes Schöpfung. Auch in einer Zeit wie jetzt, die viele eher als eine dunkle Zeit empfinden, können und dürfen wir auch Zufriedenheit und Glück spüren. Gott schickte uns einst seinen Sohn auf diese Welt, der von sich sagt: “Ich bin das Licht der Welt, wer in mir wandelt, wird niemals in der Finsternis sein“. Vertrauen wir darauf und glauben daran, dass uns nach jeder Dunkelheit in unserem Leben das Licht der Hoffnung neue Wege aufzeigen wird.

    „Gott liebt diese Welt. Er rief sie ins Leben. Gott ist´s, der erhält, was er selbst gegeben. Gott gehört die Welt.“

    Menschen sind im Moment verzweifelt, viele an den Grenzen ihrer Kräfte angekommen. Die empfundene Machtlosigkeit gegenüber dem „Neuen“ bringt unsere Welt einerseits in Aufruhr, andererseits zum Stillstand.

    Wir alle haben aber die Möglichkeit unseren Teil dazu beizutragen, dass alles einen guten Ausgang nimmt. Wir können nun als Gemeinschaft alle Fähigkeiten und Talente mobilisieren, bündeln und einsetzen in der Hoffnung und Gewissheit, dass wir Gottes Wohlwollen und Unterstützung haben .Er ist mitten unter uns bei der Bewältigung dieser weltweiten Krise, denn Gott liebt diese Welt.

     

    Uschi Fusenig,

    Prädikantin der evangelischen Kirchengemeinde Bernkastel-Kues

      

  • Glaube im Alltag 14./15. März 2020 _ Monika Hartmann _ Fasten-Zeit

    Fasten – Zeit

    Glaube im Alltag 14./15. März 2020

     

    Hast du heute Zeit für…

    deinen Nächsten? Dieser Frage aus dem Misereor –Fastenkalender möchte ich in der Zeit vor Ostern  nachspüren. Zeit wofür? Für wen? Meine Zeit, die sehr knapp bemessen ist, mit einem vollen Terminkalender. Kein Wunder, dass ich die Menschen, die mir nahe stehen, die ich liebe, aber auch die, die mir fremd sind, vernachlässige. Die Fastenzeit, eine Zeit für die Mitmenschen, was  heißt das konkret für mich, für uns?

    Zeichen setzen, so wie viele von uns sich an  Aschermittwoch mit dem Aschenkreuz segnen ließen.  Nicht nur ein äußeres Zeichen, das ich mir gerade so im Vorbei-Gehen abhole, so wie „das Aschenkreuz to go“, sondern mich darauf einlasse, dass hinter diesem Zeichen eine Botschaft steckt, die mich ins Nachdenken bringt. Dazu brauche ich Zeit (sechs Wochen), denn es geht nicht so sehr um das Fasten, Geld spenden und Beten, sondern um meine innere Haltung zu dem, was ich tue und denke und um das Warum. Es geht darum zu glauben, dass in dieser Asche Tod und Leben, aber auch meine/unsere Vergänglichkeit und  Hinfälligkeit steckt. Da bin ich froh, wenn ich Menschen treffe, die ein offenes Ohr, eine helfende Hand haben, gegen die Gleichgültigkeit und den Hass in der Gesellschaft.

    Im Sonntagsevangelium macht Jesus es uns vor:  Er begibt sich auf feindliches Gebiet und hat Zeit für die Sünderin am Jakobsbrunnen. Er hört ihr zu, schaut sie an, spricht mit ihr als Jude und sprengt damit sämtliche Tabus. Mit seiner Haltung schenkt er ihr Würde und Anerkennung. Er macht sie gesellschaftsfähig. Für sie ist es wie eine Wiedergeburt, denn Jesus schenkt  ihr das Leben neu. Das geht nicht im Vorbei-Gehen, sondern im sich Zeit nehmen für den Anderen. Jesus setzt damit ein Zeichen gegen die Verrohung in der Gesellschaft.

    Das, was Jesus tut, gefällt mir. Da möchte ich dabei sein. Wie ist es mit Dir? Mit Ihnen? Machst du, machen Sie mit in der Zeit bis Ostern und darüber hinaus?

     

    Monika Hartmann,

    Pastoralreferentin im Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich